Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

31.01.2005

Aktiv gegen häusliche Gewalt
Wie sich das Frauenforum im Kreis Unna für Frauen und Mädchen einsetzt

Häusliche Gewalt hat viele Gesichter


Gewalt hinter verschlossenen Türen hat viele schreckliche Gesichter. „Eine 41- jährige Frau wird vor den Augen ihrer Tochter gewürgt und geschlagen. Nachdem es in der gemeinsamen Wohnung zu Streitigkeiten kommt, würgt der 48 jährige seine Frau mit beiden Händen und schlägt ihr mehrmals mit der Faust ins Gesicht. Anschließend prügelt er noch mit einer Holzlatte auf seine Ehefrau ein. Die von Zeugen alarmierte Polizei verweist den Mann aus der Wohnung und leitet ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein.

Jede dritte Frau in der Bundesrepublik erlebt einmal in ihrem Leben Gewalt durch den Partner, das ist das Ergebnis einer Studie des Familienministeriums im Sommer 2004.


Häusliche Gewalt ist die am stärksten verbreitete Gewalt gegen Frauen und Mädchen weltweit.

Sie ist eine Gewalt unter Erwachsenen, die in einer Beziehung leben.
Sie umfasst:

körperliche Gewalt :Schläge, Tritte, Würgen

seelische Gewalt : Permanente Beschimpfungen und Erniedrigungen, Schlafentzug, für verrückt erklären, Kinder als Druckmittel einsetzen

sexualisierte Gewalt: Zwang zu sexuellen Handlungen, Vergewaltigung in der Paarbeziehung, sexuelle Misshandlungen

soziale Gewalt: Einsperren, Kontaktverbote, soziale Isolation

ökonomische Gewalt: Entzug von Geld, Verbot von Erwerbstätigkeit, Geld verweigern.

Meist werden mehrere dieser Formen von den Tätern eingesetzt.

Frauenspezifische Beratung nach Gewalt-
die Frauen- und Mädchenberatungsstelle

Mit all diesen Erfahrungen kommen Frauen und Mädchen in die Frauen- und Mädchenberatungsstelle in Unna. Es sind Frauen jeden Alters und jeder sozialen oder ethnischen Gruppe, für die das Beratungsangebot bereit steht.

Das im Januar 2002 erlassene Gewaltschutzgesetz gibt Frauen zusätzlich zur Zuflucht ins Frauenhaus die Möglichkeit , den Mann für 10 Tage aus der Wohnung zu verweisen. Dies geschieht durch die Polizei. In diesen Fällen kann die Frau in der Beratungsstelle des Frauenforums in Unna kostenlos beraten werden.

Die Beratungsstelle wurde 1986 gegründet, damit Frauen und Mädchen nach Gewalterlebnissen oder anderen geschlechtsspezifischen Krisen nicht allein gelassen werden. Die Diplompädagoginnen und ausgebildeten Therapeutinnen bieten durch

Einzelgespräche und Gruppenangebote Mädchen ab 14 Jahren und Frauen die Möglichkeit über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen. Tel:02303 / 82202

Häufig berichten Frauen, dass sie nicht gewagt haben, darüber zu sprechen. Sie schämen sich und befürchteten die Schuld dafür zugewiesen zu bekommen oder nicht ernst genommen zu werden. Schlimme Ängste, Schlafstörungen, Depressionen und viele andere Beschwerden haben den Druck erhöht, sich Hilfe zu holen. Die Therapeutinnen stehen den Frauen bei; denn nichts rechtfertigt Schläge und andere Formen von Gewalt .

Stattdessen werden die Frauen mit ihren Erlebnissen ernst genommen. Sie werden über Wege informiert, die sie gehen können, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Im Gespräch helfen ihnen Beraterinnen/Therapeutinnen realistische Lösungen zu finden und in den Lebensalltag umzusetzen. Erfreulicherweise kommen auch Frauen zur Beratung bevor es eskaliert. Das Gespräch hilft ihnen bei einer Veränderung, um sich und ihren Kindern weitere schreckliche Erfahrungen zu ersparen.

Rund um die Uhr erreichbar – das Frauenhaus

Nach wie vor suchen Frauen mit ihren Kindern Schutz vor ihren gewalttätigen Partnern im Frauenhaus. „Nur im Frauenhaus war ich wirklich sicher, er hätte mich sonst umgebracht“ sagte eine von häuslicher Gewalt betroffene Frau. Sie konnte hier über das Schreckliche reden, sie war froh, endlich den Kopf dafür frei zu haben, ihren völlig durcheinander geratenden Lebensalltag zu ordnen. Unterstützt und beraten wird sie dabei von fünf hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und nicht zuletzt auch von Bewohnerinnen.

Auch die Kinder , die alles miterlebt haben, brauchen dringend Hilfe. Damit sind die Erzieherinnen im Frauenhaus vertraut. Die Folgen der miterlebten Gewalt an der Mutter sind häufig für die Kinder nicht zu verarbeiten, sie leiden und können dies manchmal nur in Verhaltensauffälligkeiten ausdrücken. Dafür werden sie dann wieder bestraft. Ein schrecklicher Kreislauf. Kinder erhalten im Frauenhaus ebenso fachliche Unterstützung wie die Mütter.

Das Frauenhaus verfügt über 20 Betten. Die Bewohnerinnen des Frauenhauses versorgen sich selbst. Häufig bilden sich auch Freundschaften, sodass die Frauen zusammen kochen oder etwas miteinander unternehmen.

Einige Frauen, die Zuflucht im Frauenhaus gefunden haben, entscheiden sich zu ihrem Partner zurückzugehen. Die Gründe sind vielfältig: Frauen möchten die Familie nicht auseinander reißen, sie haben Angst vor den Drohungen des Partners, sie geben dem Partner noch eine Chance, um nur einige zu nennen. Die Mitarbeiterinnen des Frauenforums respektieren Entscheidungen der Frauen; denn Frauen wissen am besten selbst, welchen Lebensalltag sie sich und den Kindern zumuten können.

Frauen, die ins Frauenhaus aufgenommen werden möchten, können eine Mitarbeiterin rund um die Uhr, also auch am Abend und in der Nacht erreichen. Tel:02307 / 71388

Die „Rund um die Uhr Rufbereitschaft“ trifft für die Aufnahme in eine weitere Einrichtung des Frauenforums zu:

Die Frauenübernachtungsstelle, die wohnungslos gewordenen Frauen über 18 Jahren hilft. In Ausnahmefällen können die Kinder der Frauen mit aufgenommen werden. Tel: 02307 / 557926

Zur Wohnungslosigkeit kommen auch häufig noch andere Schwierigkeiten hinzu, so dass die Frauen sich überlastet fühlen. Hier haben sie die Möglichkeit sozialpädagogische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um längerfristig in einer eigenen Wohnung Fuß zu fassen.

Der FrauenNotruf-telefonische Beratung am Wochende und an Feiertagen

Wenn Frauen und Mädchen außerhalb der üblichen Beratungszeiten in eine Krisensituation geraten und Hilfe wünschen, dann können sie den FrauenNotruf anrufen. Dabei braucht sie ihren Namen nicht zu nennen. Für einige Mädchen und Frauen ist es leichter mit jemandem zu sprechen, wenn sie anonym bleiben können.

Der FrauenNotruf ist an den Wochenenden ab freitags 13.00 Uhr bis Montag 8.00 Uhr und an Feiertagen durchgehend besetzt.

Beratung bei sexueller Gewalt- der FrauenNotruf

In der Woche ist die Mitarbeiterin unter der gleichen Telefonnummer erreichbar um Frauen und Mädchen, die sex. Gewalterfahrungen gemacht haben, zu unterstützen. Auch für Angehörige von vergewaltigten Frauen oder Mädchen ist es wichtig, Fragen zu klären oder einen ersten Kontakt herzustellen. Oft fragen Opfer von sexualisierter Gewalt nach unserem Angebot der Begleitung zur Polizei oder zum Gericht. Um viel mehr über diese Tabuthemen aufzuklären, bieten die Mitarbeiterinnen des Notrufs Präventionsangebote und öffentliche Veranstaltungen an. Zur Zeit wird kreisweit die Mitmach- Ausstellung

Wir UN-terstützen Frauen und Mädchen, die Gewalt erfahren haben, vorbereitet.

Ständig erreichbare Unterstützungsangebote des Frauenforum Kreis Unna

Frauen- und Mädchenberatungsstelle: 02303-8 22 02 Fr. Warnsing u. Fr. Pacho

Frauenhaus: 02307-7 13 88

FrauenNotruf 02303 – 82202, Fr. Enners

Frauenübernachtungsstelle 02307-557926


Termine & Aktuelles

PDF als Download

Aktuelle Kurse zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, Informations-veranstaltungen und Workshops

Termine und Informationen >>
Bildungsspender

Bundesweites Hilfetelefon für Frauen

365 Tage im Jahr, rund um die Uhr in mehreren Sprachen erreichbar.

Zur Website »