Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

21.07.2008 Westfälischen Rundschau Bergkamen

Frauenforum benötigt 100 000 Euro

Von Heino Baues

Birgit Unger Foto K.H.Bergkamen. Im Frühjahr 2009 will das Frauenforum im Kreis Unna ihre zwei in Bergkamen angesiedelten Einrichtungen aufgeben. Sie werden zusammen mit dem "Frauenhaus", der Frauenberatungsstelle und den Büroräumen in einen dann fertiggestellten Neubau der UKBS in Unna einziehen. Dieser "Exodus" stimmte am Montagmorgen Bürgermeister Roland Schäfer zwar etwas traurig, gleichwohl rührte er gestern zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten Martina Bierkämper kräftig die Spendenwerbetrommel mit dem Ziel, das neue Domizil des Frauenforums in der Kreisstadt.

Und das hat einen guten Grund: Die Stadt wolle die Zusammenarbeit mit dem Frauenforum fortsetzen und ausbauen, betonte Schäfer. Das sicherlich auch deshalb, weil verhältnismäßig viele Bergkamener Mädchen und Frauen beim Frauenforum Unterstützung und auch Schutz vor häuslicher Gewalt finden.

"Rund ein Viertel aller Bewohnerinnen des Frauenhauses aus dem Kreis Unna stammen aus Bergkamen", erklärte in einem Gespräch die Geschäftsführerin des Frauenforums im Kreis Unna, Birgit Unger, der Gleichstellungsbeauftragten Martina Bierkämper und Bürgermeister Roland Schäfer. Außerdem nahmen im vergangenen Jahr 31 Bergkamenerinnen von insgesamt 365 Ratsuchenden die Angebote der Frauenberatungsstelle in Unna wahr.

Und wer hier geglaubt hätte, die sich bessernde wirtschaftliche Lage sorge für mehr Frieden in den Lebensgemeinschaften, werde enttäuscht, fügte Schäfer hinzu. "Wer einmal unten ist, der kommt da nicht mehr so schnell heraus", meinte Birgit Unger.

50 Prozent der Frauen, die sich an das Frauenforum wenden, sind übrigens Migrantinnen. Sie fliehen nicht nur vor gewalttätigen Freunden und Ehemännern, sondern werden von Eltern, Großeltern oder Brüdern geschlagen. Oft ist ein wesentlicher Grund, dass sie aus dieser familiären Enge, die oft in einer Zwangsheirat endet, mit allen Mitteln heraus wollen.

Das Frauenforum hat neben der Funktion einer "Feuerwehr" sich auch zur Aufgabe gesetzt, vorbeugend zu arbeiten. In Bergkamen geschieht dies zum Beispiel auch im Rahmen des "Mädchen- und Frauennetzeswerks". Mit Aktionen und Veranstaltungen wie dem 3. Mädchenaktionstag am 28. August im Kinder- und Jugendhaus Balu sollen Mädchen so stark und selbstständig gemacht werden, dass sie nicht so einfach in für sie unliebsam Situationen hineinschlittern.

So ist es sicherlich auch kein Zufall, dass die Sprecherin des Bergkamener Mädchen- und Frauennetzwerks, Martina Ricks-Osei, Mitarbeiterin des Frauenforums ist.

Beteiligt ist das Frauenforum auch an einem weiteren Präventionsprojekt unter der Federführung der RAA zum Thema "Zwangsheirat": Das "Freie Werkstatt Theater Köln" spielt am 23. September im studio theater das Stück "Wegen der Ehre" von der türkischstämmigen Schauspielerin Sema Meray, die auf der Bühne zu sehen sein wird.

Bürgermeister Roland Schäfer warb am Montag nicht nur für eine finanzielle Unterstützung des Frauenforums, sondern spendete für die Stadt auch selbst.

Bis zum Tag des Umzugs der beiden Bergkamener Einrichtungen, der Frauenübernachtungsstelle und der "Frauenräume" seien rund 100 000 Euro an Spenden erforderlich, erklärte Geschäftsführerin Birgit Unger.

Ein großer Teil des Geldes soll für besondere Sicherheitsmaßnahmen verwendet werden. Notwendig sind sie nicht nur, damit gewalttätige Partner ferngehalten werden. Wie Birgit Unger weiter berichtet, sei das Frauenforum weiterhin an einem Zeugenschutzprogramm für Prostituierte beteiligt.

Auf der Wunschliste des Frauenforums befinden sich für die künftigen Wohnräume nicht nur neues, sondern auch besonders robustes Mobiliar. So verbrachten im vergangenen Jahr 84 Personen im Frauenhaus durchschnittlich acht Wochen, berichtete Birgit Unger.


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