Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

25.11.2011 Hellweger Anzeiger

Frauenforum überwindet den finanziellen Engpass
Höhere Zuschüsse vom Land stellen die Arbeit auf ein solides Fundament.

Fördergelder

  • Das Land Nordrhein-Westfalen bezuschusst die Personalkosten des Frauenforums 2012 voraussichtlich mit 94.000 Euro. Hinzu kommen 9.000 :Euro für Sach- und Betriebskosten.
  • Der Kreis Unna bezuschusst das Frauenforum mit 197.380 Euro. Damit werden die nach den Landeszuschüssen verbleibenden Personal-, Betriebs- und Sachkosten in der Beratungsstelle sowie die Geschäftsstelle des Frauenforums finanziert.

Von Alexander Heine

KREIS UNNA • Birgit Unger braucht ihren Bleistift künftig nicht mehr zu sehr spitzen. Die Geschäftsführerin des Frauenforums freut sich über steigende Fördermittel - und muss deshalb nicht mehr allzu pedantisch kalkulieren.

In den vergangenen Jahren hat sich die Schlinge um den Verein bedrohlich eng zugezogen. Das Land strich 2006 eine Vollzeitstelle im Frauenhaus, Zuschüsse zu Personalkosten stagnierten zudem über viele Jahre. Zuschüsse des Kreises drohten derweil auch wegzubrechen: Ein externer Berater sah Einsparpotenzial und wollte Mittel für die Beratungsstelle kürzen. So manche Aufgabe des Frauenforums habe auf der Kippe gestanden, so Unger - das Blatt hat sich gewendet.

Nicht nur, dass der Kreistag den Fortbestand der Zuschüsse bis 2015 abgesichert hat. Auch das Land dreht an der Förderschraube. Die seinerzeit von der schwarz-gelben Landesregierung gestrichene Vollzeitstelle im Frauenhaus ist wieder bewilligt, und auch in der Beratungsstelle sattelt das Land kräftig auf: Der Personalkostenzuschuss wird erhöht, zudem gibt es aus Düsseldorf fortan einen Zuschuss für Betriebsund Sachkosten - erstmals.

Geschäftsführerin Birigt Unger Und Frauenhausleiterin Martina Ricks-Osei

Öffentlichkeitsarbeit: Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums und Frauenhausleiterin Martina Ricks-Osei (von links) freuen sich über steigende Fördermittel. • Foto Udo Henne

Unger kann im Vorjahresvergleich somit ein Plus von 19.000 Euro allein für die Beratungsstelle verbuchen, die wiederbelebte Vollzeitstelle im Frauenhaus wird vom Land mit weiteren 36.000 Euro bezuschusst. Und das entlastet letztlich auch den Kreishaushalt. Hintergrund: Zwar bezuschusst das Land im Frauenhaus rechnerisch vier Vollzeitstellen, die teilt Unger aber auf drei Mitarbeiterinnen auf. So kann das Forum fortan auch Tarifanpassungen vornehmen, auf die der Verein seit zwei Jahren verzichten musste.

Der Geschäftsführerin des Frauenforums ist die Erleichterung deutlich anzumerken. Denn dass die Zuschüsse des Landes „nach gefühlten Jahrzehnten endlich" erhöht werden, stellt die Arbeit des Frauenforums wieder auf ein solides, finanzielles Fundament. Zumal die Herausforderungen bei stagnierenden Zuschüssen stetig gewachsen seien.

So hat das im Jahr 2002 in die Verantwortung der Beratungsstelle übertragene Gewaltschutzgesetz zwar neue Themenfelder , aber nicht einen Euro an Zuschuss. eingebracht. In Hinblick auf sexualisierte Gewalt habe man in vergangenen Jahren stärker insbesondere auch den Kontakt zu jungen Mädchen gesucht, zuletzt auch in Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeitern.

Das Team im Frauenforum Unna e.V.

Neue Gesichter im Forum und im Internet Im Frauenforum tut sich etwas - nicht nur finanziell. Auch das Personalkarussell hat sich gedreht: Patricia Schneider-Pretsch, Karin Gottwald, Melanie Windmüller, Britta Kollmann-Rost, Isabella Lammaghi (von links) und Karola Enners (zurück aus dem Mutterschutz, nicht im Bild) bringen frischen Wind ins Team des Frauenforums. Eine Mitarbeiterin ging nach 18 Jahren in den Ruhestand, zwei weitere orientierten sich beruflich neu, andere gingen in den Mutterschutz. "Alle neuen Mitarbeiterinnen sind auf unserer Internetseite aufgeführt, die auch einen Blick in unsere Angebotsvielfalt ermöglicht“, macht Geschäftsführerein Birgit Unger deutlich.
Foto: Udo Henne

Und: Insbesondere auch von jungen Frauen gehen zunehmend Anfragen per E-Mail ein - auch darauf muss sich die Beratungsstelle einrichten. Derweil ist auch die Arbeit im Frauenhaus umfangreicher geworden: Die Frauen seien heute wesentlich problembeladener und hilfloser, sagt die Frauenhausleiterin Martina Ricks-Osei. Nicht mehr nur Gewaltsituationen belasteten die Frauen, häufig seien sie auch verschuldet, hätten keine Schul- oder Berufsausbildung. „Eine Frau, die in der Schufa steht, findet keine Wohnung“, formuliert Ricks-Osei ein Beispiel. „Da sind mehr Cespräche nötig, wir müssen dann mehr Vermittlungsarbeit leisten.“ Und ein für das Frauenhaus immer bedeutsameres Thema sei auch die Zwangsheirat.

Jetzt, mit der wiederbelebten Vollzeitstelle im Förderplan des Landes, könne das Frauenhaus auch wieder Nachsorge in der Zeit nach dem Frauenhaus leisten, so Ricks-Osei. Dass der Kreistag seinerseits für das Frauenforum eine Förderzusage bis 2015 erteilt hat, bringe die ersehnte, langfristige Absicherung. Zur Erinnerung: Zuletzt waren die Fördergelder nur noch in kleinen Schritten bewilligt worden, jetzt bleiben sie - zunächst bis 2015 - unverändert.

Fünf Bausteine des Frauenforums

Frauen- und Mädchen-Beratungsstelle: Fachberatung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt, aber auch bei Belastungssituationen und Alltagsproblemen. Für Mädchen und Frauen ab 14 Jahren.

Ambulant betreutes Wohnen: Hilfe zur Selbsthilfe für Frauen, die in ihrer eigene Wohnung leben möchten oder im Alltag Hilfe benötigen.

Frauen-Übernachtungsstelle: Für wohnungslose Frauen ab 18 und ihre Kinder, die sich in unzumutbaren Situationen befinden. Bis zu sieben Frauen können unterkommen.

Frauenräume: Frauen in besonderen sozialen Schwierigkeiten finden Unterkunft und psychosoziale Beratung sowie Begleitung im Alltag.

Frauenhaus: Von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder finden Schutz.


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