Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

05.03.2011 Hellweger Anzeiger

Eine Fachkraft für das Wohl des Kindes

Hellweger Anzeiger Frauenforum Unna

Foto: Hellweger Anzeiger

Sandra Luig vom Frauenforum schaltet sich ein, wenn Kinder in Gefahr sind

Von Yvonne Schütze-Fürst

KREIS UNNA • Kindeswohlgefährdung - bei dem Wort schrillen die Alarmglocken: psychische Gewalt, Misshandlung, Vernachlässigung - all das kann dahinterstecken. Und es muss in akuten Fällen schnell gehandelt werden. Jugendämter und Kinderschutzfachkräfte kennen sich aus. Auch das Frauenforum Kreis Unna verfügt nun über eine Kinderschutzfachkraft.

Sandra Luig ist 30 Jahre alt, gelernte Erzieherin und beim Frauenforum für das Frauenhaus tätig. Sie ist die Auserwählte, die eine Fortbildung zur Kinderschutzfachkraft absolvierte und nun über ein Zertifikat verfügt.

Im April 2010 schloss das Frauenforum mit dem Kreis Unna eine Vereinbarung zur Umsetzung des Schutzauftrages gemäß § 8a und § 72a Sozialgesetzbuch VIII. Der Vorstand des Frauenforums erklärte sich bereit, die Kosten für die Fortbildung zu übernehmen. Nun, nach einer viermonatigen Schulung, geht Sandra Luig ans Werk. Und das heißt, dass sie immer dann, wenn eine Kollegin aus einer anderen Einrichtung sich unsicher ist, ob bei einem Kind eine Kindeswohlgefährdung vorliegt oder nicht, eingeschaltet wird. Dann schaut sich Sandra Luig den Fall an, bewertet und dokumentiert das Ergebnis. Sie ist letztlich auch die Vermittlerin zum Jugendamt, wird deren Aufgaben aber nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Gesetz

• Das Gesetz zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe trat am 1. Oktober 2005 in Kraft.
• In § 72 des Sozialgesetzbuches VIII heißt es: (1) Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen bei den Jugendämtern und Landesjugendämtern hauptberuflich nur Personen beschäftigen, die sich für die jeweilige Aufgabe nach ihrer Persönlichkeit eignen und eine dieser Aufgaben entsprechende Ausbildung erhalten haben (Fachkräfte) oder aufgrund besonderer Erfahrungen in der sozialen Arbeit in der Lage sind, die Aufgabe zu erfüllen. Soweit die jeweilige Aufgabe dies erfordert, sind mit ihrer Wahrnehmung nur Fachkräfte oder Fachkräfte mit entsprechender Zusatzausbildung zu betrauen. Fachkräfte verschiedener Fachrichtungen sollen zusammen-wirken, soweit die jeweilige Aufgabe dies erfordert.
(2) leitende Funktionen des Jugendamts oder des Landesjugendamts sollen in der Regel nur Fachkräften übertragen werden.
(3) Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben Fortbildung und Praxisberatung der Mitarbeiter des Jugendamts und des Landesjugendamts sicherzustellen.

Was sich so langwierig anhört, muss nicht langwierig sein. Ist ein Fall akut, so Sandra Luig, dann wird auch sofort gehandelt. Wobei sie betont, dass eine Kindeswohlgefährdung zum Beispiel auch dann vorliegt, wenn das Kind zum Beispiel nicht richtig gefördert wird. Dann werden mit der Mutter Lösungen verabredet, an die sie sich halten muss.

Sandra Luig ist beim Frauenforum für das Frauenhaus zuständig. Dort allerdings wird sie nicht als Kinderschutzfachkraft auftreten. "Die Fälle kenne ich zu genau. Da bin ich zu nah dran", erklärt sie, dass sie im Fall der Fälle eine Kollegin informieren würde, um Neutralität zu wahren.

An potenziellen Klientinnen mangelt es dem Frauenforum nicht. Allein in der Beratungsstelle werden alljährlich etwa 350 Mädchen und Frauen beraten. Rund um die Uhr ist das Frauenforum zu erreichen, dank der Rufbereitschaft. Und so kann im Prinzip jede diensthabende Mitarbeiterin in die Situation kommen, in denen sich Fragen zur Kindeswohlgefahrdung und Kinderschutz ergeben. "In Fällen häuslicher Gewalt sind Kinder immer, direkt oder indirekt, manches Mal über lange Zeit mit betroffen. Ich kann die Kolleginnen beraten und mit ihnen Lösungen erarbeiten. Oft reichen Gespräche mit dem Ziel der Stärkung der Erziehungskompetenz in Familien aus. Eventuell muss aber auch das Jugendamt eingeschaltet werden.

Vernetzung ist das Ziel

Wie groß die Zahl der Kinderschutzfachkräfte zurzeit im Kreis Unna ist, kann auch Britta Discher vom Kinderschutzbund nur schätzen. Sie leitet den Facharbeitskreis der Kinderschutzfachkräfte im Kreis Unna, der sich alle zwei bis drei Monate zum Erfahrungsaustausch trifft. 20 Personen, Männer und Frauen, sind es, die da zusammenkommen. Nur, wie viele Einrichtungen im Kreis Unna bereits Kinderschutzfachkräfte haben, weiß sie noch - nicht. Denn Britta Discher arbeitet zurzeit eng mit den Allgemeinen Sozialen Diensten in den Städten und Gemeinden des Kreises zusammen. Ziel ist es, eine Liste aufzustellen, in der alle Fachkräfte aufgelistet sind, egal wo sie arbeiten ob im Krankenhaus, in der Kindertagesstätte oder wie Sandra Luig im Frauenhaus.

Jutta Dische Foto: Hellweger Anzeiger

"Man braucht schon eine besondere Berufserfahrung, muss entweder ein sozialpädagogisches Studium nachweisen oder in der Kita eine Leitungskraft gewesen sein", erklärt Britta Discher die Voraussetzungen für die Schulungen. Sie kennt sich aus, denn sie hat bereits viele Kinderschutzfachkräfte während ihrer Tätigkeit auf der Landesebene des Kinderschutzbundes ausgebildet.

Britta Discher ist es nicht nur wichtig, alle Kinderschutzfachkräfte zu vernetzen sie hat auch ein großes Interesse daran, sie und ihre Arbeit zum Wohl der Kinder bekannt zu machen. • fü

Britta Discher leitet den Arbeitskreis der Kinderschutzfachkräfte im Kreis Unna.


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