Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

19.08.2011 Westfälische Rundschau

Der Bund kürzt bei den Hilfsmaßnahmen für Arbeitslose: Das Frauenforum des Kreises Unna kriegt es zu spüren

"Den Frauen geht eine Chance verloren"

Anne Wohland

Bund kürzt Mittel für Arbeitslose Foto: Brock

Die gelernte Verkäuferin Monika Boruta startete 2005 als Ein-Euro-Kraft beim Frauenforum. Nun ist sie dort fest angestellt. Foto: Brock

Unna. Monika Boruta ist froh. Aus ihrem einstigen Ein-Euro-Job ist mittlerweile eine fester, unbefristeter Arbeitsplatz beim Frauenforum des Kreises
Unna geworden.

„Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt, dass ich damals entschied, den Ein-Euro-Job überhaupt anzunehmen", blickt die 41-Jährige zurück. Sie hatte Glück, sie kam so auch in das Programm "JobPerspektive". Das macht ihr mittlerweile keiner mehr nach. Der Bund kürzt diesen Herbst bei diversen Förderprogrammen, die Arbeitslosen eine Jobchance geben sollen.

"Es wird massiv reduziert werden. Das Programm "JobPerspektive“ ist gestoppt und die Anzahl der geförderten Ein-Euro-Jobs wird gekürzt", sagt Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums. Sie schüttelt den Kopf. Denn die fünf geförderten Helferinnen, die. bisher das 19-köpfige Team verstärken, kann sie gut gebrauchen. Aber auch den Frauen geht eine Chance verloren, ist sich Unger sicher.

Von 51 Frauen, die' seit Start der Ein-Euro-Jobs in 2005 beim Frauenforum mitarbeiteten, haben es 25 Prozent in den ersten Arbeitsmarkt geschafft. „Wenn wir die mitzählen, die jetzt eine Ausbildung haben oder in die Selbstständigkeit gegangen sind, dann haben wir eine Erfolgsquote von 50 Prozent" sagt Unger. Möglich war das aus ihrer Sicht, weil es neben den Maßnahmen auch Mittel für einen "Job coach" gab. Dafür sollen nun statt der monatlichen 247 Euro nur noch 30 Euro vom Bund gezahlt werden. „Davon können wir die Betreuung nicht finanzieren", so Unger.

KOMBILOHNMODELL "JOB-PERSPEKTIVE". Bundesregierung stoppt Programm

  • Die bundesweite Maßnahme "JobPerspektive" ist 2007 gestartet. Über ein Kombilohnmodell wurde so die Beschäftigung von schwervermittelbaren Langzeitarbeitslosen "dauerhaft" finanziert.
  • Zunächst galt die Förderung für zwei Jahre. Später sollte die Förderung angepasst werden und dann dauerhaft weiterlaufen.
  • In NRW wurden über das Programm zusätzliche Arbeitsplätze in allen Unternehmen und Branchen gefördert. Der Betrieb erhielt einen Zuschuss zu den tarifgebundenen Lohnkosten von bis zu 75 Prozent.
  • Bis 2010 sollten 100 000 Arbeitslose über das Programm wieder einen Job bekommen. Geschafft haben es 45 000 bis zum Stopp des Programms.

„Mir hat die individuelle Hilfe durch den Job Coach wirklich geholfen", sagt auch Boruta. Jede Woche gab es Treffen, individuelle Bewerbungstrainings und maßgeschneiderte Beratung zu Weiterbildung und Arbeitsmarktchancen. Bei neuen Programmen wie dem Modell "Bürgerarbeit" wird das Frauenforum mitmachen. Auch wenn diese aufgrund der Einschnitte in der finanziellen Förderungen ein Schritt zurück sind.

„So werden persönliche Chancen zerschlagen“, findet auch Jutta Reiter, DGB-Vorsitzende für die Region. „Da werden Instrumente verändert, weil es weniger Arbeitslose gäbe. Ich kann jedenfalls nicht erkennen, dass sich die Zahl der Betroffenen reduziert hat." Jetzt die Fördermaßnahmen zu kürzen, sei das vollkommen falsche Mittel. „Für mich ist das sozialer Kahlschlag, wenn der Bund jetzt in der Wirtschaftskrise 8,5 Milliarden Euro einspart und festlegt, dass vom Gesamttopf nur noch fünf Prozent für geförderte öffentliche Beschäftigung ausgegeben werden dürfen." Für den Kreis Unna beläuft sich die Kürzung nach Reiters Schätzung auf vier Millionen Euro.

 


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