Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

14.01.2012 Hellweger Anzeiger

25 Jahre Frauenforum Unna

Die Geschichte des Frauenforums ist eng mit diesen vier Frauen verbunden (v.l.): Mitgründerin Ingrid Kollmeier, Vorstandsfrau Birgit Kollmann, Geschäftsführerin Birgit Unger und Frauenhaus-Leiterin Bettina Ricks-Osei., • Foto: Kohues

Starkes Engagement für ein Gewaltfreies Leben. Frauenforum im Kreis Unna bietet seit 25 Jahren Hilfe bei häuslicher Gewalt

VonKevin Kohues

KREIS UNNA • Auf einem Plüschsofa im "Frauenzimmer" fing alles an. Eine Frauen-WG in Lünen war Mitte der 1980er-Jahre die Keimzelle für das heutige Frauenforum im Kreis Unna. In der kommenden Woche feiert es sein 25-jähriges Bestehen - und blickt zurück auf bewegte Jahre, in denen unzählige Frauen in den verschiedenen Einrichtungen des Forums Hilfe und Schutz vor häuslicher Gewalt fanden.

Ingrid Kollmeier gehörte zu den 20 Gründerinnen und erinnert sich noch gut an die Diskussionen in der Anfangszeit, auf dem Plüschsofa, mit den bunten Tüchern an der Decke des Raumes. "Die Gründung des Frauenforums wurde nicht in einem Rathaus beschlossen, sondern von der Frauenbewegung selbst", erzählt sie. Bunt gemischt sei die Gruppe gewesen, mit Vertreterinnen aus dem ganzen Kreisgebiet, auch aus Parteien.

Angebot

  • Frauen- und Madchenberatungsstelle: Allgemeine Beratung für Frauen und Mädchen ab 14 Jahren. Fachberatung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt.
  • Frauenhaus: Selbst organisierter Alltag mit sozialpädagogischer Begleitung. Im Bedarfsfall Vermittlung von Kontakten zu Ärzten, Anwälten oder Therapeuten.
  • Frauenräume: Hilfe für Frauen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten.
  • Frauenübernachtungsstelle: für wohnungslose Frauen ab 18 Jahren. Aufenthalt für den Übergang in eigenverantwortliches Wohnen.
  • Ambulant betreutes Wohnen: Hilfe für sechs Frauen, die in einer eigenen Wohnung leben möchten und im Alltag noch Unterstützung benötigen.



Die Herausforderung, vor der die Frauen in den Anfangsjahren standen, verdeutlicht wohl am besten ein Ausspruch, den sie damals von der Polizei in Bergkamen zu hören bekamen. Eine Frau hatte das Notruftelefon angerufen, weil sie die Schläge und Erniedrigungen ihres Mannes nicht mehr aushielt. "Bei uns in Bergkamen gibt es keine Gewalt gegen Frauen", hieß es vonseiten der Polizei. Häusliche Gewalt war ein Tabuthema, galt als Privatangelegenheit. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich", sei ein anderer Spruch gewesen, der die Denkweise vieler zum Ausdruck gebracht habe, ergänzt Birgit Kollmann, die heute gemeinsam mit Christel Stockhecke und Tanja Brückel das gleichberechtigte Vorstandsteam des Frauenforums bildet.

Die Chronik des Frauenforums

1986  Vereinsgründung am 20. Oktober
1987  Eröffnung der Frauen- und Mädchenberatungsstelle und Einrichtung des Notruftelefons
1988   Eröffnung des Frauenhauses in Kamen, finanziert aus Mitteln des Kreises
1991   Hauptamtliche Geschäftsführerin, finanziert 'aus Mitteln des Kreises
1994   Eröffnung der Frauenpension in Bönen als Übernachtungsstelle für wohnungslose
2001   Umzug der Frauenpension nach Bergkamen
2003   Gründung der Frauenräume
2004  Gründung der Frauenübernachtungsstelle als Ersatz für die Frauenpension
2009   Umzug in neue Räume und Umstrukturierung der Arbeit der Frauen- und Mädchenberatungsstelle
2010   Errichtung des Ambulant Betreuten Wohnens

Über die Jahre hat das Frauenforum ein vielfältiges Netzwerk aufgebaut, das von Gewalt betroffenen Frauen mit einer Beratungsstelle, einer Übernachtungsstelle, einem Frauenhaus und seit 2010 auch mit ambulant betreutem Wohnen Hilfe bietet.

Seit drei Jahren befinden sich alle Angebote mitsamt der Verwaltung in Unna unter einem Dach. Mit der Institutionalisierung und Förderung durch Kreis- und Landesmittel gelang es dem Vorstand und der Geschäftsführung, seit 1998 geleitet von Birgit Unger, ein Team aus 20 festangestellten Mitarbeiterinnen aufzubauen.

Obwohl das Thema Gewalt an Frauen längst kein Tabu mehr ist, hat die Arbeit im Laufe der Jahre nie abgenommen. Ging es früher fast ausschließlich um Gewalt durch den Ehemann, sind die Probleme heut vielschichtiger. "Gewalt hat viele Gesichter und ist subtiler als blaue Flecke“ sagt Birgit Unger. Psychoterror, der sich langsam aufbaut, kann mindestens genauso schlimm sein, auch wirtschaftliche Abhängigkeiten spielen eine Rolle. Und die oft sehr jungen Muslimischen Frauen, die von ihren Eltern zwangsverheiratet wurden, klopften vor 25 Jahren auch noch nicht an die Tür der Beratungsstelle.

"Nie am Ziel - aber immer auf dem Weg", lautet deshalb das Motto, das das Frauenforum für sein Jubiläum gewählt hat. Auch in den nächsten Jahren wird es sich für ein gewaltfreies Leben ohne Flucht in Angst und Anonymität einsetzen, zwar ohne Plüschsofa, aber mit der gleichen Leidenschaft wie in den 80ern.

 


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