Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

16.10.2012 Hellweger Anzeiger

Wenn das strahlende Lächeln unbezahlbar wird

Frauenforum fordert Abschaffung der Praxisgebühr für Wohnungslose

Lächeln un dgepflegte Zähne

Gepflegte Zähne fühlen sich nicht nur gut an, sondern sind auch eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch. Das Frauenforum im Kreis Unna beklagt, dass die zunehmende Armut der Frauen in der Übernachtungsstelle sich inzwischen in schlechten oder gar nicht mehr vorhandenen Zähnen widerspiegele. Es fordert die Abschaffung der Praxisgebühr für Wohnungslose. • Fotos (2): dpa


Von Kevin Kohues KREIS UNNA •

Wer zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, der sollte mit einem gepflegten Äußeren aufwarten. Schöne Zähne gehören dazu. Die aber bleiben immer mehr armen Menschen verwehrt. Das Frauenforum im Kreis Unna fordert deshalb eine Abschaffung der Praxisgebühr für Wohnungslose.

"Der gesundheitliche Zustand der bei uns lebenden Frauen, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind, verschlechtert sich", stellt Birgit Unger fest. Die Geschäftsführerin des Frauenforums berichtet von einem zunehmenden Anteil von Frauen, deren Leben in Armut auf der Grundlage von Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe verlaufe.

"Die Jobcenter fordern für ihr Fördern Motivation und Engagement von den Frauen, sie sollen sich um Arbeitsmöglichkeiten bewerben", so Unger weiter. Doch in Wirklichkeit verhindere ein Instrument wie die Praxis gebühr den Zugang der Frauen zu zahnärztlicher Behandlung, das von Arbeitgebern erwartete Lächeln sei nicht mehr möglich.

Die sieben Plätze in der Frauenübernachtungsstelle in Unna sind stets belegt, die Sozialarbeiterinnen helfen den oft auch psychisch kranken Frauen auf dem Weg zurück ins Leben. Dazu gehört die Wahrnehmung von Arztterminen. "Viele der Betroffenen waren schon seit Jahren nicht mehr beim Arzt. Ihnen fehlen häufig Zähne, nicht behandelte Erkrankungen ziehen weitere gesundheitliche Schädigungen nach sich", so Unger.

Teuerer Arztbesuch

Ebenfalls verhindere die Praxis gebühr , dass Frauen ihre Vorsorge-Untersuchungen bei Frauenärzten wahrnehmen. Und der Grundstandard dieser Untersuchungen sei inzwischen so gering, dass viele Leistungen wie etwa Ultraschalluntersuchungen "zugekauft" werden müssten. Zuzahlungen für Medikamente, auch wenn der Eigenanteil oft "nur" fünf Euro beträgt, seien für die Frauen mit ihrem schmalen Budget meist unbezahlbar.

Kurzum: "Unsere Frauen sind zunehmend ausgeschlossen aus einem Gesundheitssystem, das Vorsorge und Eigenfinanzierung erwartet", kritisiert Birgit Unger. Der Wegfall der Praxisgebühr darf kaum als Allheilmittel gelten. Aber er wäre aus Sicht des Frauenforums zumindest ein Anfang, um die Hemmschwelle regelmäßiger Arztbesuche zu senken und die Frauen wieder auf den Weg zurück in die Gesellschaft zu bringen. In der Hoffnung, dass mit einer guten ärztlichen Versorgung das Selbstvertrauen wächst - und damit letztlich auch die Chance auf einen Job.


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