Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

20.07.2012 Hellweger Anzeiger

Frauenobdachlosigkeit in Unna

Zu wenig Platz für Frauen

Übernachtungsstelle des Frauenforums richtet Hilfeschrei an die Politik

Von Alexander Heine

KREIS UNNA • Frauen, die auf der Straße sitzen, können sich in der Übernachtungsstelle des Frauenforums buchstäblich ins gemachte Bett legen. Das Problem: Sie platzt aus allen Nähten. "Wir müssen die Frauen teilweise wieder zurück auf die Straße schicken - und das kann es eigentlich nicht sein."

Geschäftsführerin Birgit Unger richtet den Hilfeschrei an die Politik. "Wenn man politisch ignoriert, dass Handlungsbedarf besteht, werden wir als Einrichtung das Problem nicht mehr lösen können." Nicht nur eine Phrase, wie der Blick in die Zahlen verrät. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres musste die Übernachtungsstelle 15 Frauen abweisen.

In den Vorjahren haben für gewöhnlich fünf bis maximal neun Frauen keinen Platz gefunden innerhalb eines ganzen Jahres! "Ich finde die Situation schon sehr dramatisch", formuliert Unger ihre Forderungen. Mehr Geld, mehr Personal - aber vor allem mehr Platz. "Wir fühlen uns von der Situation mittlerweile schon unter Druck gesetzt." Etwa weil die Ordnungsämter aus dem Kreisgebiet anrufen und hinterfragen, warum kein Platz ist. "Ich kann das natürlich verstehen", verweist die Geschäftsführerin auf die vertraglich geregelte Unterbringung obdachloser Frauen in der Übernachtungsstelle. Deshalb sähen sich die Mitarbeiterinnen zunehmend gezwungen, schneller Platz schaffen zu müssen.

„Wenn Frauen nicht unterkommen, suchen sie sich irgendwo das rettende Bett - auch wenn jemand dafür eine sexuelle Gegenleistung verlangt.“

Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums im Kreis Unna

"Wir müssen darüber nachdenken, ob wir nicht auch für Frauen eine reine Übernachtungsstelle brauchen", sagt Unger und spielt auf ein ganz ähnliches Angebot der Caritas für Männer an. Dort schlafen die Schützlinge des Nachts und gehen morgens wieder. 14 Plätze stehen Obdachlosen dort zur Verfügung und damit doppelt so viele wie in der Übernachtungsstelle des Frauenforums. Weil hier schlicht und ergreifend räumliche Grenzen gesetzt sind. Zumal der Verein   das Angebot mit anderen Offerten verknüpft - um orientierungslose Frauen leichter auf eigene Beine stellen zu können.

Birgit Unger: "Eine reine Übernachtungsstelle für Frauen wäre zwar ein Baustein in der Hilfeleistung. Damit würden wir sie aber eigentlich auf den Weg bringen, keine Tagesstruktur zu haben." Abends kommen, morgens gehen - tagsüber hilflos. Deshalb betont sie: "Wir brauchen diese reine Übernachtungsstelle, davon bin ich überzeugt. Aber wir brauchen dann auch die personellen Möglichkeiten, die Frauen auch tagsüber auf den richtigen Weg führen zu können." Das sei bei Frauen umso wichtiger, sagt Unger, weil sie üblicherweise anders handelten als Männer. "Sie leben seltener auf der Straße als Männer, weil sie sich irgendwo Unterschlupfmöglichkeiten suchen." Bei der Freundin, die es vielleicht noch gibt. Oder aber sie gehen Beziehungen zu Männern ein, die sie gar nicht wollen. "Wenn Frauen nicht unterkommen, suchen sie sich irgendwo das rettende Bett - auch, wenn jemand dafür eine sexuelle Gegenleistung verlangt", weiß Unger.

Obdachlose Frauen im Kreis Unna

Vor allem junge Frauen im Alter von 18 bis 27 Jahren sind nach den Erfahrungen des Frauenforums von Obdachlosigkeit bedroht - jede zweite Nutzerin der Frauenübernachtungsstelle gehört dieser Altersklasse an. Foto: Alexey Klementiev

Jung und verschuldet

Vor allem junge Frauen von 18 bis 27 Jahren nutzen die Frauenübernachtungsstelle jede zweite Nutzerin gehört dieser Altersklasse an. Sozialarbeiterin Christina Schulz zeigt eine weitere problematische Entwicklung auf: "Immer mehr Frauen sind verschuldet, haben Schufa-Einträge, halten psychisch die Situation kaum aus." Mittlerweile verbleibe jede dritte Frau zwischen drei und sechs Monaten in der Übernachtungsstelle."
• Fotos: Alexey Klementiev / Fotolia


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