Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

20.06.2012 Hellweger Anzeiger

Jung, kinderlos und überfordert ins Frauenhaus

Mitarbeiterinnen des Frauenforums übernehmen zunehmend Mutterrolle

Von Kevin Kohues

Frauenhaus Unna

Die Die Faust gegen Frauen erheben zu Hause nicht nur die Ehemänner und Lebensgefährten, sondern zunehmend auch Angehörige wie Eltern oder Geschwister. Das ergibt sich aus dem Jahresbericht des Frauenforums im Kreis Unna. Foto: dpa

KREIS UNNA • Sie sind jung, kinderlos und mit ihrem Leben oft heillos überfordert: Immer häufiger suchen Frauen unter 25 Jahren nach einer Misshandlung Zuflucht im Unnaer Frauenhaus. Eine zu einseitige Belegung der wenigen Plätze bringt aber Probleme mit sich.

Der Jahresbericht des Frauenforums im Kreis Unna beinhaltet Zahlen, die der Leitung des gemeinnützigen Vereins zu denken geben. Vier von zehn Frauen im Frauenhaus waren im vergangenen Jahr zwischen 19 und 25 Jahren alt, und die insgesamt 69 aufgenommenen Frauen brachten nur 44 Kinder mit. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es noch  64 Frauen und 72 Kinder.

Zehn Schlafräume mit 20 Betten stehen zur Verfügung. Wer keine Kinder mitbringt, bekommt aber in der Regel ein Einzelzimmer. "Damit sind wir dann schon bei zehn Frauen voll belegt", erklärt Geschäftsführerin Birgit Unger. Weil die Mischung nicht mehr so stimme, zögen ältere Frauen mit Kindern oft schneller wieder aus, als es für sie gut sei. "Für ein besseres soziales Miteinander brauchen wir eine Mischung aus Kindern, jungen und älteren Frauen", sagt Unger. Das bedeutet, dass die Jüngeren künftig häufiger an Frauenhäuser in Nachbarstädten wie Dortmund, Hamm oder Waltrop verwiesen werden. Im vergangenen Jahr musste das Frauenhaus 36 Frauen und 56 Kinder ablehnen, weil es voll belegt war.

Neben der Altersstruktur lässt sich auch in der Persönlichkeit und den Fähigkeiten der betroffenen Frauen eine Veränderung beobachten. Die Jüngeren werden häufig in Haushalten groß, in denen niemand Verantwortung übernimmt und folglich können sie es auch selbst nicht. Viele haben keine abgeschlossene Ausbildung, können nicht selbstständig einen Haushalt führen, nicht mit Geld umgehen. "Wir haben mehr lebensunfertige Frauen", fasst Birgit Unger zusammen.

Was zur Folge hat, dass die insgesamt 20 fest angestellten Mitarbeiterinnen in Frauenhaus, Beratungsstelle, Übernachtungsstelle, den Frauenräumen und dem ambulant betreuten Wohnen immer häufiger die Mutterrolle übernehmen müssen. "Viele Frauen brauchen eine langfristigere Unterstützung", so Unger weiter. Sie meint damit die Frauenräume ebenso wie das ambulant betreute Wohnen. Beide Einrichtungen sollen dabei helfen, Frauen in besonderen sozialen Schwierigkeiten zu helfen und sie auf Dauer zu einer selbstständigen Lebensführung zu bringen.

Außerdem fällt im Jahresbericht eine Zunahme der Angehörigengewalt ins Auge - also der Gewalt, die nicht vom Ehemann oder Lebensgefährten, sondern von Familienangehörigen ausgeht. Bei fast jeder dritten Frau ging der Aufnahme im Frauenhaus im vergangenen Jahr eine Misshandlung durch Haushaltsangehörige vor aus - in der Regel durch den Vater oder Bruder.


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