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29.02.2012 Ruhr Nachrichten

Gewaltschutzgesetz

Häusliche Gewalt ist keine Privatsache, sondern der Schutz davor ist eine staatliche Aufgabe. Das vor zehn Jahren in Kraft getretene Gewaltschutz-gesetz hat die Situation für Opfer verbessert. Foto: dpa

Wer schlägt, muss gehen

Zehn Jahre Gewaltschutzgesetz: Rechte und Unterstützung für Opfer

LÜNEN. Wer gewalttätig wird, geht. Seit zehn Jahren gibt es das Gewaltschutzgesetz, das die Situation von Frauen deutlich verbessert: Häusliche Gewalt gilt nicht mehr als Privatangelegenheit, sondern steht unter dem Schutz des Staates.

"Ein Paradigmenwechsel", sagt Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Schiek. "Frauen müssen sich nicht auf die Flucht begeben. Sie können bleiben", so Birgit Unger vom Frauenforum Kreis Unna.·

90 Fälle häuslicher Gewalt registriert die Polizei jährlich in Lünen, in 45 Fällen wird der Täter der Wohnung verwiesen. 50 Prozent der Betroffenen haben einen Migrationshintergrund. "Vor 2002 hatte die Polizei wenig Handhabe", berichtet Angelika Barlog, Opferschutzbeauftragte der Polizei. Schlichten oder Ortswechsel vorschlagen, dabei blieb es.

Ein Netz der Hilfe

Gewaltschutzgesetz in Lünen

Arbeiten Hand in Hand beim Thema häusliche Gewalt: Opferanwältin Christiane. Krause-Schumann (v.l.), Angelika Barlog, Opferschutzbeauftragte der Polizei, Karin Gottwald, Mädchen und, Frauenberatungsstelle und zuständig für den Runden Tisch gegen häusliche Gewalt, Birgit Unger, Geschäftsführerin Frauenforum Kreis Unna, und Gabriele Schiek, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lünen. Foto Quiring-Lategahn

Seit das Gewaltschutzgesetz in Kraft ist, kann die Polizei den Täter für zehn Tage der Wohnung verweisen. Schon gleich zeigen die Beamten, darunter möglichst immer eine Polizistin, dem Opfer psychische und finanzielle Hilfsmöglichkeiten auf. Nach Einverständnis geht eine Meldung an den Weißen Ring.

Die Frauenberatungsstelle bekommt direkt ein Fax von der Polizei und bietet Unterstützung. Die reicht von Hilfe, die Existenz zu sichern, bis zur Stärkung des Selbstbewusstseins der Frauen.

"Manche erleben Gewalt schon viele Jahre und haben mehrfach versucht, von dem Mann wegzukommen", weiß Karin Gottwald von der Mädchen- und Frauenberatungsstelle. Ihnen zu helfen, ihren eigenen Weg zu finden und sie begleiten, auch wenn es nicht klappt, sehen die Beraterinnen als ihre Aufgabe. Opferanwältin Christiane Krause-Schumann nennt eine Bandbreite von Rechten, die die Opfer durch das Gewaltschutzgesetz haben. Beispielsweise das Näherungs- und Kontaktverbot. Und keine Angst vor Anwalts- oder Prozesskosten: Auch da ist Hilfe möglich.

Größtes Gesundheitsrisiko

  • Körperliche, sexuelle und psychische Gewalt ist nach der Weltgesundheitsorganisation das größte Gesundheitsrisiko für Frauen. Jede vierte Frau ist Opfer häuslicher Gewalt Auch Männer sind betroffen, doch das Verletzungsrisiko ist nicht zu vergleichen.
  • Im Kreis Unna gibt es schon seit 1998 die Initiative „Runder Tisch gegen häusliche Gewalt“, hinzu kam der Runde Tisch „Im Namen der Ehre“.
  • Beim Internationalen Frauentag am 8. März informieren von 10 bis 12 Uhr im Rathaus verschiedene Einrichtungen über Hilfen.

Auch wenn das Gewaltschutzgesetz ein großer Fortschritt für Opfer ist, gibt es aus Sicht der Anwältin Reformbedarf: Die Strafandrohung bei Verstößen ist geringer als beispielsweise bei der Fischwilderei. Magdalene.Quiring-Lategahn@ruhmachrichten.de


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