Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

20.07.2012 Westfälische Rundschau

Immer mehr obdachlose Frauen abgewiesen

Das Frauenforum stellte seinen Jahresbericht vor - wie in ganz Deutschland sind auch die Helfer in Unna überlastet

Sozialarbeierinnen für obdachlose Frauen beim Frauenforum Unna

Sie kümmern sich um Frauen, die Hilfe und Obdach suchen: Geschäftsführerin des Frauenforums Birgit Unger, sowie Sozialarbeiterinnen Ingrid Scheibe, Nicole Höing und Christina Schulz (v.l.n.r.) FOTO: Phil Böttcher

Von Anna Mayr

Unna. "Tut mir Leid, Sie müssen wieder auf die Straße." 15 Mal hat Christina Schulz 2012 bereits diesen Satz sagen müssen. Sie betreut die Übernachtungsstelle des Frauenforums und beobachtet in den vergangenen anderthalb Jahren eine Entwicklung, die das Forum erschrecken lässt. Immer mehr junge Frauen sind obdachlos und hilfsbedürftig, die Übernachtungsstelle kann den Bedarf kaum noch decken.

Sieben Betten kann Schulz vergeben, an Frauen, die aus den verschiedensten Gründen keine andere Möglichkeit mehr sehen, als in der Frauenübernachtungsstelle Obdach zu suchen.

Wohnungen zwangsgeräumt

"In letzter Zeit nehmen die Zwangsräumungen von Wohnungen zu. Viele zahlen ihre Miete nicht oder lassen die Wohnung verwahrlosen, bis der Vermieter einen Schlussstrich zieht", weiß Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums. Andere Frauen stehen nach einem längeren Klinikaufenthalt ohne Wohnung da.

Als alarmierend sehen die Sozialarbeiterinnen, dass zunehmend jüngere Frauen zu ihnen kommen. Fünfzig Prozent der Obdachlosen, die in der Übernachtungsstelle Schutz suchen, sind unter 27. Sie kommen her, weil Freunde, Lehrerinnen oder andere Beratungsstellen sie schicken oder vermitteln.

Frauenforum Kreis Unna

Seit 1994 ist das Frauenforum zuständig für die Aufnahme obdachloser Frauen. Um obdachlose Männer kümmert sich derweil die Aufnahmestelle der Caritas.

Das Frauenforum bietet ein dreiteiliges Angebot: In der Übenachtungsstelle werden obdachlose Frauen ganztägig für 3 bis 6 Monate aufgenommen und von Sozialarbeiterinnen versorgt.

Seit zehn Jahren gibt es das teilstationäre Angebot der Frauenräume. Seit Anfang 2010 kümmert sich das ambulante betreute Wohnen maximal zwei Jahre um die sozialen Probleme von Frauen.

"Ich mache mir Sorgen, dass wir in der zweiten Jahreshälfte noch einmal genau so viele Frauen abweisen müssen. In den vorigen Jahren mussten wir viel weniger Frauen vor der Tür stehen lassen", so Unger.

Christina Schulz überlegt, ob eine "reine" Übernachtungsstelle anstatt eines ganztägigen Angebots nicht besser wäre, weil so mehr Frauen aufgenommen werden könnten. Aber das entspricht nicht den Ansprüchen der Obdachlosen. "Frauen leben seltener auf der Straße als Männer. Manche gehen ungewollte Beziehungen zu Männern ein, nur, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Wir wollen den Frauen zurück ins Leben helfen und sie nicht tagsüber zurück auf die Straße setzen." Die Frauen, denen in der Übernachtungsstelle geholfen wird, haben Schufa-Einträge und gesundheitliche Probleme. Ein Wohnungsbesitzer würde sie sich nicht als Mieterinnen aussuchen.
"Aber mehr als sieben Plätze haben wir hier nicht, und das ist ein bundesweites Problem", weiß Birgit Unger.


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