Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

08.03.2013 Hellweger Anzeiger

Männlich, frustriert, gewalttätig

Deutliche Steigerung bei Fallzahlen häuslicher Gewalt, „weil sich mehr Opfer melden“

Von Kevin Kohues

Fallzahlen Häusliche Gewalt im Kreis Unna 2012Auf den ersten Blick geben diese Zahlen Grund zur Besorgnis: 307 Fälle häuslicher Gewalt zählte die Kreispolizeibehörde im vergangenen Jahr – 27 Prozent mehr als 2011 (241). Doch die Polizei und auch das Frauenforum werten die steigenden Fallzahlen als Erfolg ihrer Arbeit.

Sie führen die seit Jahren steigende Tendenz auf die Verkleinerung der – gewiss immer noch beträchtlichen – Dunkelziffer zurück. „Wir haben keine verstärkte Gewaltlage, sondern eine gesteigerte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit“, sagt Klaus Stindt, Leiter des Kommissariats Kriminalprävention und Opferschutz. 

Neue Selbsthilfegruppe

Eine von sexueller Gewalt betroffene Frau möchte in Unna eine Selbsthilfegruppe für Frauen und Mädchen mit sexuellen Gewalterfahrungen gründen. Geplant ist, dass die Gruppentreffen einmal monatlich im Gesundheitshaus Unna stattfinden. Betroffene Frauen und Mädchen können sich melden bei der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen im Gesundheitshaus Unna, Massener Straße 35. Ansprechpartnerin ist Margret Voß, Tel. 0 23 03/27-28 29, E-Mail margret.voss@kreis-unna.de.

Seit 1994 hat die Kreispolizei ein Interventionskonzept bei häuslicher Gewalt, seit 2002 bietet das Gewaltschutzgesetz Opfern und Ordnungshütern mehr Möglichkeiten. Etwa die des Wohnungsverweises samt Verbots der Rückkehr. 96 Mal wurde ein solcher Verweis im vergangenen Jahr ausgesprochen. In 107 Fällen informierte die Polizei das Frauenforum in Unna, das sich darum bemüht, mit den Opfern in Kontakt zu treten und ihnen zu helfen, zum Beispiel bei der Suche nach einer neuen Wohnung oder durch die Unterbringung im Frauenhaus. Denn in den allermeisten Fällen sind die Schläger Männer und die Opfer Frauen. Der umgekehrte Fall wurde 18 Mal bekannt.

Für die Frauen- und Mädchenberatungsstelle ist jeder neue Fall für sich eine Herausforderung – dahinter stecken stets individuelle Schicksale, Situationen, Befindlichkeiten. Nicht selten kommt es etwa vor, dass eine Frau die Vorfälle nach einigen Tagen relativiert und ihrem Mann noch eine Chance geben will. Frei nach dem Motto „War doch alles gar nicht so schlimm“. „Nicht alle Frauen können wir erreichen“, erklärt Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums. Vor allem Migrantinnen seien telefonisch oft schwer zu erreichen, Reaktionen auf Briefe blieben aus.
Dass Gewalt hauptsächlich ein Problem in Beziehungen mit Migrationshintergrund ist, belegen die Zahlen indes nicht. In 231 von 307 Fällen waren die Täter Deutsche, in 27 Fällen türkischer Herkunft, dazu kommen 19 weitere Nationalitäten. kek


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