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18.07.2013 Hellweger Anzeiger

Immer mehr Frauen ohne Schutz und Wohnung

Hellweger Anzeiger: Immer mehr Frauen ohne Schutz und Wohnung

Die Nachfrage nach Beratung und Hilfe steigt, wie der Jahresbericht des Frauenforums belegt. Vor allem die wachsende Wohnungslosigkeit von Frauen erfordert bald Lösungen.

Von Kevin Kohues

UNNA Sieben Plätze gibt es in der Unnaer Frauenübernachtungsstelle.
Sieben Plätze, die im vergangenen Jahr allesamt an 365 Tagen belegt waren. Die Nachfrage überstieg die Kapazitäten des Frauenforums bei weitem. 35 wohnungslose Frauen bekamen keinen Platz. Das geht aus dem Jahresbericht für 2012 hervor, den das Frauenforum gestern in Unna vorstellte.

Der Mangel an Schlafplätzen führte im vergangenen Jahr zu einer langen Diskussion, ob der Kreis Unna eine zusätzliche Übernachtungsstelle für wohnungslose Frauen braucht. Sie endete mit einem „Nein“ der Kreisverwaltung. Die stufte das Problem zu Jahresbeginn als nicht mehr akut ein, zumal mit Lünen eine Stadt mit der Anmietung von Zimmern in einer Pension selbst Abhilfe geschaffen hatte.

2013: Schon wieder 28 Frauen abgewiesen

Dass das Problem nach wie vor akut ist, zeigen indes die Zahlen für das laufende Jahr. 28 Frauen mussten bislang wegen voller Belegung der Übernachtungsstelle abgewiesen werden, also schon fast genau so viele wie im gesamten Vorjahr.

Nun ist die zweite Notschlafstelle definitiv vom Tisch, wie Frauenforum-Geschäftsführerin Birgit Unger gestern sagte. Aber es gibt anderweitige Lösungsvorschläge, die das Frauenforum derzeit mit dem Kreis- Sozialdezernat diskutiert.

Die eine Idee fußt auf dem Problem, dass die Frauen auf dem freien Wohnungsmarkt kaum eine Chance haben – und somit häufig zwischen drei bis sechs Monaten in der Übernachtungsstelle bleiben.

„Etwa die Hälfte lebt bei der Aufnahme ohne eigenes Einkommen und schlägt sich irgendwie so durch.“

Ingrid Scheibe, Leiterin der Frauenwohnungslosenhilfe

Hinzu kommt: „Fast jede dritte Frau hat Erfahrungen mit Gewalt gemacht, immer mehr sind verschuldet, haben Schufa-Einträge, sind körperlich oder psychisch krank.“ Die schulische und berufliche Bildung ist häufig mangelhaft (siehe Grafik).

Da nimmt es nicht wunder, dass das Suchen und Finden einer Wohnung in angemessener Größe und Preislage für diese Frauen einer Herkulesaufgabe gleichkommt. Der Lösungsansatz sieht wie folgt aus: Der Kreis oder das Frauenforum könnten in Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft kleine Wohnungen für die betroffenen Frauen anmieten. Angedacht sind Zweier-Wohngemeinschaften mit einer hauswirtschaftlichen Betreuung zweimal pro Woche.

Bettenzahl und Stundenzahl erhöhen

Denn erst wenn ein Mietvertrag zustande kommt, kann das Frauenforum beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe einen Antrag auf Unterbringung im Ambulant Betreuten Wohnen stellen. Letzteres gilt als beste Möglichkeit, Frauen auf ihrem Weg aus der Obdachlosigkeit zu begleiten und eine stabile Perspektive für die Zukunft aufzubauen.

Die zweite Idee, das Problem Wohnungslosigkeit zu bekämpfen, beruht auf einer Erhöhung der Bettenzahl in der Übernachtungsstelle von sieben auf neun. Was zunächst einfach klingt, ist nicht nur aufgrund der beengten räumlichen Verhältnisse schwierig. Momentan beschäftigt das Frauenforum eine Sozialarbeiterin, die die Frauen betreut, als Halbtagskraft. „Eine Erhöhung der Bettenzahl ist nur dann möglich, wenn wir das Personal aufstocken“, sagt Birgit Unger. Der Kreis müsste einer Erhöhung der Stundenzahl der Sozialarbeiterin zustimmen, Unger spricht von Mehrkosten von maximal 10.000 Euro im Jahr.

Sollte die angespannte Haushaltslage das nicht zulassen, müsse das Frauenforum weiter viele Obdachsuchende abweisen und weitervermitteln. „Wir können das nicht dauerhaft auf dem Rücken unserer Mitarbeiter austragen“, so Unger.

„Etwa die Hälfte der Frauen lebt bei der Aufnahme ohne eigenes Einkommen und schlägt sich irgendwie so durch,“ sagt Ingrid Scheibe, Leiterin der Frauenwohnungslosenhilfe

Schulbildung wohnungsloser Frauen

Auch Frauenhaus voll belegt

Das Frauenhaus bietet körperlich und seelisch misshandelten oder von Gewalt bedrohten Frauen und ihren Kindern Zuflucht. Auch für dieses Angebot verzeichnet das Frauenforum eine steigende Nachfrage, was auch auf die Enttabuisierung von häuslicher Gewalt zurückzuführen ist. Es trauen sich schlicht mehr Frauen, Hilfe zu suchen. 86 Frauen mit 58 Kindern fanden im vergangenen Jahr Schutz im Frauenhaus, 94 Frauen mit 60 Kindern mussten aus Platzgründen an andere Häusern verwiesen werden. Das Netz in den umliegenden Kreisen gilt jedoch als vorbildlich. So gibt es weitere Frauenhäuser in Dortmund, Hamm, Iserlohn, Soest, Hagen, Bochum
und Ennepetal.

 

 


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