Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

24.01.2013 Hellweger Anzeiger

Brücken von der Straße in die eigene Wohnung bauen

Zusätzliche Übernachtungsstelle für Obdachlose ist aber vorerst vom Tisch

Weitere Notschlafstelle voreerst vom Tisch

Obdachlosigkeit bleibt im Kreis ein Thema. Die Ergebnisse einer ersten Expertenrunde stellen jedoch nicht alle zufrieden .• Foto: fmalot/Fotolia

Von Alexander Heine

KREIS UNNA •Die Kreisverwaltung hält das Thema Obdachlosigkeit auf der Tagesordnung. Sozialdezernent Rüdiger Sparbrod hat beteiligte Institutionen und Kommunen an einen Tisch geholt. Mit einem Ergebnis, das nicht alle Beteiligten vollends zufrieden stimmt.

Foto zur Notschlafstelle aus der ZeitungSparbrod ist nach der Expertenrunde überzeugt, dass es im Kreis Unna keinen Bedarf gibt für eine dauerhafte, zusätzliche ÜbernachtungssteIle. "Das Problem hat sich ein bisschen verflüchtigt, die wenigen Fälle der vergangenen Monate haben gezeigt, dass keine Frau auf der Strecke geblieben ist - und das ist das Wichtigste." Der Sozialdezernent bezieht sich dabei auf ein Problem, das das Frauenforum im vergangenen Jahr öffentlich gemacht hatte. Deren Übernachtungsstelle sei hoffnungslos überfüllt, sodass Frauen teilweise wieder zurück auf die Straße geschickt werden müssten. Von 15 Frauen allein im ersten Halbjahr war die Rede. Nun kann Geschäftsführerin Birgit Unger eine Jahresstatistik vorlegen: 2012 gab es insgesamt 35 Anfragen, die abgewiesen werden mussten. "Wir vermitteln dann andere Lösungen oder verweisen notfalls an das jeweilige Ordnungsamt", so Unger. Insofern behält Rüdiger Sparbrod Recht: Auf der Strecke bleibt tatsächlich niemand. Doch vom Tisch ist das Problem damit nicht. Birgit Unger spricht sich etwa für zusätzliche sozialpädagogische Beratungsangebote aus, um Frauen eine Perspektive zu geben. "Der Kreis und die Kommunen müssen entscheiden, was sie möchten. Der Verpflichtung nachkommen, ein Bett bereitzustellen, und hoffen, dass das Problem im nächsten Winter vorüber ist, oder sozialpolitisch etwas verändern, um das Problem zu lösen."

Obdachlosigkeit ist keine Männerdomäne. Frauen brauchen nach Meinung von Birgit Unger besondere Angebote, um den Weg in ein selbstständiges Leben zurück zu finden."Der Kreis und die Kommunen müssen entscheiden, was sie möchten. Der Verpflichtung nachkommen, ein Bett bereitzustellen, und hoffen, dass das Problem im nächsten Winter vorüber ist, oder sozialpolitisch etwas verändern, um das Problem zu lösen."
Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums Kreis Unna

In der ÜbernachtungssteIle des Frauenforums gibt es sieben Betten, die 2012 von 18 Frauen belegt wurden. Und die blieben mitunter so lange, dass die Jahresauslastung der Einrichtung bei 97 Prozent lag. Laut Geschäftsführerin Unger bleiben zwei von drei Frauen inzwischen drei bis sechs Monate oder sogar länger. Weil es zu wenige angemessene Wohnungen gibt. Und das hat wiederum zur Folge, dass die Plätze in der ÜbernachtungssteIle blockiert bleiben.

Von den 35 abgewiesenen Anfragen in 2012 kamen 20 aus dem Kreis Unna; davon mindestens fünf aus Lünen. Gleichwohl sieht die Lippestadt wie auch die Kreisverwaltung offenbar keinen Bedarf für eine weitere Übernachtungsstelle. Die Frauen in Lünen würden versorgt, versichert Rüdiger Sparbrod.

Ralf Plogmann, Vorsitzender des Caritasverbandes im Kreis Unna - der Verband betreibt in Unna eine Übernachtungsstelle für Männer mit 15 Plätzen -, kann die Kritik Ungers nachvollziehen. "Diejenigen, die in Übernachtungsstellen sind, haben erst mal ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Es fehlt aber ein Angebot, das die Lücke nach der Übernachtungsstelle schließt mit dem Ziel, jeden dazu zu befähigen, selbstständig zu wohnen."

Daran will die Expertenrunde nun offenbar arbeiten. "Das Thema ist nicht erledigt", lässt Sozialdezernent Rüdiger Sparbrod ein Türchen offen. "Wir werden alles ausloten und dort, wo es punktuell notwendig ist, Lösungen suchen." Einen möglichen Lösungsansatz gibt es laut Birgit Unger und Ralf Plogmann schon: Eine Art Wohntraining, wie die Diakonie Dortmund es betreibt. Sowohl Diakonie als auch die Stadt mieten Wohnungen an, in denen Obdachlose zwei, drei Monate lang wohnen können - sozialpädagogisch betreut. Sie lernen, einen Haushalt zu führen, sich selbst zu versorgen, in einer Hausgemeinschaft oder mit Nachbarn nicht anzuecken. Ein Wohntraining eben, das für Obdachlose in einen eigenen Mietvertrag münden könnte. Ob und wie so ein Modell im Kreis Unna umsetzbar wäre, ist derzeit wohl vor allem eine Frage der Finanzierung.


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