Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

04.02.2016 Westfälischer Anzeiger

Gewaltopfern ohne Hürden helfen

Diskussion um Finanzierung von Frauenhäusern

Finanzierung Frauenhäuuser
Das Frauenhaus des Kreises Unna nimmt die Opfer von häuslicher Gewalt auf – unabhängig von der Finanzierung. • Foto: pr

WERNE Frauenhäuser bieten Frauen, die Gewalt erfahren haben, und ihren Kinder einen Zufluchtsort. Weil sie dabei in erster Linie das menschliche Schicksal sehen, bleiben sie in einigen Fällen auf den Kosten sitzen. Das soll sich auf Wunsch der Verantwortlichen nun ändern.

20 Betten für Opfer von häuslicher Gewalt und ihren Nachwuchs bietet das Frauenhaus des Kreises Unna. Das Land Nordrhein-Westfalen finanziert dafür vier Vollzeitstellen mit einem Festbetrag. „Normalerweise kommt der Kreis für die restlichen Personalkosten und die Unterbringung auf“, erklärt Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums im Kreis Unna.

Wenn sich die Frauen im Leistungsbezug nach SGB II befinden, übernimmt das Jobcenter des Kreises die Finanzierung. Bei Migrantinnen ohne offiziellen Status, Studentinnen, Auszubildenden, EU-Bürgerinnen und Frauen mit eigenem Einkommen oder Vermögen ist genau das aber nicht der Fall. „Die Frauenhäuser weisen in solchen Fällen in der Regel nicht ab, bleiben aber auf den Kosten sitzen“, sagt Iris Pallmann, Fachreferentin für Frauen- und Mädchenorganisationen vom Paritätischen NRW. Unger betont jedoch, dass die Frauen im Normalfall im SGB-II-Leistungsbezug sind.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert seit Jahren eine „einzelfallunabhängige, bedarfsgerechte und unbürokratische“ Finanzierung der Frauenhäuser. Bis heute bestehe kein Rechtsanspruch auf Schutz für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder, erklärte Pallmann.

In der Praxis führt die Unklarheit dazu, dass die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus des Kreises Unna weniger Zeit für die wirklich wichtigen Aufgaben haben und sich stattdessen mit Papierkram herumplagen. „Das hält uns alles auf, die Zeit und Kraft könnten wir besser in anderen Bereichen investieren“, sagt Unger. Außerdem sorgen die über zwei bis drei Jahre festgelegten Tagessätze für die Unterbringung von den Frauen dafür, dass die Arbeitskräfte in der Einrichtung „in vielen Fällen nicht tarifgerecht bezahlt“ werden können, erklärt die Geschäftsführerin.

Derzeit befindet sich das Frauenforum in neuen Verhandlungen mit dem Kreis Unna, um die psychosozialen Betreuungskosten dem tatsächlichen Bedarf in der Einrichtung anzupassen. 31,04 Euro beträgt der Tagessatz in Unna für die Unterbringung von Frauen momentan. An Abweisungen denken die Verantwortlichen des Frauenhauses trotz möglicher Schwierigkeiten gar nicht erst. „Wenn wir Platz im Haus haben, nehmen wir die Frauen auf. Es geht schließlich um häusliche Gewalt, und da kommt keine Frau zum Spaß“, sagt Unger. • jau

 


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