Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

5. März 2016 Hellweger Anzeiger, Kreis Unna

Wer schlägt, der geht

Häusliche Gewalt  im Kreis Unna

Seit vielen Jahren arbeiten die Polizei und das Frauenforum gemeinsam gegen häusliche Gewalt. Wer seine Frau schlägt, wird nicht nur angezeigt, sondern auch der Wohnung verwiesen. Das Gros der Täter ist deutscher Herkunft.


Von Kevin Kohues

Kreis Unna. In genau 100 Fällen hat die Kreispolizeibehörde Unna im vergangenen Jahr Männer für zehn Tage ihrer eigenen Wohnung verwiesen. Ein Eingriff in die Grundrechte, der aber nötig war – im schlimmsten Fall, um Leben zu retten. Denn diese Männer, wurden ihren Angehörigen, meist der Frau und den Kindern, gegenüber gewalttätig.

„Wer schlägt, der geht“, laute die Devise, die im Kreis Unna seit vielen Jahren in Zusammenarbeit zwischen der Polizei und dem Frauenforum praktiziert wird. Dem Wohnungsverweis folgt – wenn die Frau einverstanden ist – eine Kontaktaufnahme durch die Frauen- und Mädchenberatungsstelle. Die Mitarbeiterinnen bieten Beratung und Begleitung, beim Umgang mit Ämtern, Anwälten und Gerichten etwa, oder bei der Suche nach einer neuen Wohnung.

Nicht immer kommt für die Betroffenen freilich eine Trennung vom Partner in Betracht – vor allem dann nicht, wenn Kinder im Spiel sind. „Ich will nicht, dass sie ohne Vater aufwachsen“, hören die Beraterinnen Karin Gottwald und Melanie Windmüller in Gesprächen mit den Frauen oft. Die meisten seien zwischen 26 und 40 Jahren alt, aber auch jüngere Frauen befinden sich unter den Opfern. Das Erleben und der Einsatz von Gewalt würden häufig von Generation zu Generation weitergegeben, ergänzt die Geschäftsführerin des Frauenforums, Birgit Unger.

Melanie Winmüller, Katrin Gottwald von der Frauen- und Mädechenberatungsstelle im Kreis Unna
Melanie Windmüller (l.) und Karin Gottwald von der Frauen- und Mädchenberatungsstelle des Frauenforums, hier mit Geschäftsführerin Birgit Unger, helfen Opfern häuslicher Gewalt. Foto: Archiv

Eine generelle Zunahme häuslicher Gewalt lässt sich aber nicht feststellen, eher im Gegenteil. Das Bewusstsein habe sich in den vergangenen 20 Jahren gewandelt, sagt Landrat Michael Makiolla, das zweifellos große Dunkelfeld werde immer weiter aufgehellt.

Trotzdem werden die Beteiligten nicht müde, einen Appell zu formulieren: „Wenn man nichts tut, hört die Gewalt nicht auf“. Betroffene sollten immer 110 wählen oder direkt die Frauen und Mädchenberatungsstelle kontaktieren.

Dass überproportional viele Täter ausländischer Herkunft sind, lässt sich übrigens nicht behaupten. Neun Prozent der insgesamt 332 Frauen, die im vergangenen Jahr in die Beratung beim Frauenforum kamen, hatten einen Migrationshintergrund.

Seit 2002 keine Privatsache mehr

Schutz vor häuslicher Gewalt ist Aufgabe des Staates

Ein Konzept zur Verhinderung häuslicher Gewalt gibt es im Kreis Unna seit 1994, zwei Todesfälle gingen ihm voraus.

Zahlen häusliche Gewalt im Kreis Unna

Der Gesetzgeber übernahm wesentliche Teile im Gewaltschutzgesetz, das 2002 in Kraft trat. Häusliche Gewalt wird seither nicht mehr als Privatangelegenheit angesehen, die die Beteiligten unter sich auszutragen hatten. Der Schutz davor wurde zur staatlichen Aufgabe. In Nordrhein-Westfalen ist die Polizei zudem laut Polizeigesetz berechtigt, bei häuslicher Gewalt ohne eine richterliche Genehmigung Wohnungsverweise auszusprechen und ein Rückkehrverbot von bis zu zehn Tagen zu verhängen. Zugleich wird eine Strafanzeige gegen den Gewalttäter erstattet. Sind die Frauen einverstanden, informiert die Polizei die Frauen- und Mädchenberatungsstelle des Frauenforums über die Wegweisung. Im vergangenen Jahr war dies 74 Mal der Fall. Die Mitarbeiterinnen versuchen dann, die Frauen zu kontaktieren und ihnen Hilfe anzubieten. Dies gelang 50 Mal, also in etwa 70 Prozent der Fälle. Nicht immer wollen die Opfer mit den Beraterinnen sprechen.

Aber: Seit die Kooperation zwischen Polizei und Frauenforum besteht, habe es im Kreis Unna keinen Todesfall mehr durch häusliche Gewalt gegeben, so Landrat Michael Makiolla.

 


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