Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

26.07.2016 Hellweger Anzeiger

Spürbar mehr Beratungen infolge von Vergewaltigungen

Silvestervorfälle und Gesetzesreform ermutigen mehr Opfer, sich Hilfe zu suchen

16-07-27 HA Sexualstrafrecht Sylvester Köln
Das war eine der ersten Reaktionen auf die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht: Die Kölner Polizei hat ihre Präsenz deutlich verstärkt. Inzwischen hat der Bundestag eine Gesetzesnovelle verabschiedet. Foto Archiv

Von Alexander Heine

Kreis Unna. Der 7. Juli markiert für das Frauenforum einen historischen Tag. Dass der Bundestag das Sexualstrafrecht reformiert - für die Beraterinnen längst überfällig. Nicht allein der Kölner Silvesternacht wegen.

Das Ja zum "Nein heißt Nein" - für Karin Gottwald als Leiterin der Frauen und Mädchenberatungsstelle ist es ein "historischer Meilenstein", alldieweil Fraueneinrichtungen wie das Frauenforum Unna mitunter schon seit Jahrzehnten Reformen des Sexualstrafrechts gefordert hatten. Nun ging auf einmal alles ganz schnell. Weil in der Silvestern acht in Köln etwas bis dato für die Öffentlichkeit Unvorstellbares geschehen ist, hat das Verfahren derart an Fahrt aufgenommen, dass die Reform schon Anfang Juli nach kurzer Debatte per einstimmigem Bundestagsbeschluss auf den Weg gebracht werden konnte.

Opferrechte deutlich gestärkt

In dem erheblich strengeren Sexualstrafrecht ist erstmals der Grundsatz "Nein heißt Nein" verankert. Damit macht sich nicht nur strafbar, wer Sex mit Gewalt oder Gewaltandrohung erzwingt. Es soll vielmehr ausreichen, wenn sich der Täter über den "erkennbaren Willen" des Opfers hinwegsetzt. Auch Grapschen steht künftig unter Strafe.

16-07-27 HA Sexualstrafrecht Beraterin M. Windmüller
Beraterin Melanie Windmüller und Leiterin Karin Gottwald (von links) - im Bild mit Birgit Unger als Geschäftsführerin des Frauenforums Unna - haben das Gefühl, dass derzeit spürbar mehr Vergewaltigungsfälle an die Frauen- und Mädchenberatungsstelle vermittelt werden. Foto: Archiv

Damit, so Gottwald, würden die Opferrechte deutlich gestärkt. Und endlich seien auch die Anforderungen der Istanbul-Konvention erfüllt. Im Mai 2011 im Europarat beschlossen, richtet sich die Übereinkunft gegen Gewalt an Frauen. Neben Prävention und Opferschutz setzt sie auf Strafverfolgung. Die Intention der Konvention ist, Frauen vor allen Formen von Gewalt zu schützen und Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen.

Jede siebte Frau schon einmal betroffen

Beraterin Melanie Windmüller erhofft sich durch die Reform, aber auch durch die öffentliche Debatte seit der Silvesternacht auch noch einen anderen Effekt. "Das Thema ist raus aus der Tabuzone und endlich angekommen in der Gesellschaft", sagt sie und hofft, dass viel mehr Frauen nach einschlägigen Erlebnissen den Weg zur Beratungsstelle des Frauenforums finden. Sie zitiert aus einer Studie, der zufolge jede siebte Frau in Deutschland schon einmal eine Vergewaltigung erlebt hat, jedoch nur ein Bruchteil davon sich tatsächlich auch Hilfe sucht und den Vorfall gegebenenfalls zur Anzeige bringt. Windmüller: "Mit der Befürchtung im Hinterkopf, dass ihnen ohnehin niemand glauben wird, haben Frauen sich häufig gar nicht erst Hilfe gesucht. Gerade auch deshalb ist die Reform unvorstellbar wichtig für die Opfer." Jedes Jahr wenden sich zwischen 60 und 70 Frauen nach sexueller Gewalt an die Frauen- und Mädchenberatungsstelle. Schon jetzt habe sie den Eindruck, dass "spürbar mehr Vergewaltigungsfälle an uns vermittelt werden", so Windmüller. Auch schon infolge der Silvesternacht hatten sich beim Frauenforum Betroffene gemeldet, die die schreckliche Situation in Köln miterleben mussten.

Beratung

  • Beraterinnen sind telefonisch unter Tel. 02303 / 82202 montags und mittwochs von 10 bis 12 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15 bis 16 Uhr zu erreichen.
  • Eine Online-Beratung findet sich im Internet unter www.frauenforum-unna.de

Schutzräume für Großveranstaltungen

Mehr Prävention mit zusätzlicher Kraft

Das Frauenforum Unna erweitert seine Arbeit noch in diesem Herbst. Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter stockt seine Fördermittel auf und legt einen besonderen Fokus auf Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt. Für das Frauenforum bedeutet das eine zusätzliche Fachkraft, mit deren Hilfe die Beratungskapazität der gestiegenen Nachfrage angepasst werden kann. Zusätzlich will das Frauenforum neue Formen der Prävention entwickeln und erproben. Etwa in Form von Security Points, wie sie bedrängten Frauen bereits zum Kölner Karneval Zuflucht gewähren sollten. In Zusammenarbeit mit den Kommunen im Kreis will das Frauenforum dafür Angsträume identifizieren, gemeinsam mit der Polizei örtliche Schutzkonzepte in den Blick nehmen und gegebenenfalls überarbeiten. Ziel ist, auf Großveranstaltungen wie zum Beispiel Stadtfesten mit sogenannten Security Points Präsenz zu zeigen.


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