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02.12.2016 Hellweger Anzeiger

Land finanziert Vollzeitstelle im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Frauen im Kreis Unna

Anne Reichert (Mitte) ist die Neue im Team der Mädchen- und Frauenberatungsstelle. Mit Unterstützung von Leiterin Karin Gottwald
(links) und der Geschäftsführerin des Frauenforums, Birgit Unger, will sie neue Schutzkonzepte entwickeln. Foto: Sarad

Anne Reichert erweitert das Team des Frauenforums

Land finanziert Vollzeitstelle im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Frauen

Von Stephanie Tatenhorst

Kreis Unna. Trotz der Dramatik des Themas waren die Übergriffe an Silvester in Köln auch für etwas gut. „Jetzt wird darüber gesprochen“, sagt Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums Kreis Unna. Und es wird gehandelt.

Seit dem 1. Oktober vergrößert Anne Reichert das Team der Mädchen- und Frauenberatungsstelle im Kreis Unna. Finanziert wird die Fachstelle zu sexualisierter Gewalt an Mädchen und Frauen vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA). Denn: Die Landesregierung möchte sich dem Silvester- Phänomen entgegenstellen.

In der Frauen- und Mädchenberatungsstelle findet man das gut: „Das ist kein neues Thema“, erklärt Leiterin Karin Gottwald, „es ist nur durch Silvester bekannt geworden.“ Übergriffe bei Veranstaltungen sind nach wie vor wenige, wie die Polizeistatistik deutlich zeigt. Der größte Teil aller Vorfälle passiert im häuslichen Umfeld, durch Täter, die den Frauen bekannt sind. 378 Fälle von häuslicher Gewalt registrierte die Polizei im Kreis Unna (ohne Lünen) im vergangenen Jahr, bis zum 31. Oktober waren es 277 Fälle. Doch die öffentliche Debatte erleichtert es Frauen, das Thema anzusprechen – sich Hilfe zu holen.

Aufzuzeigen, wo und wie es die gibt, ist künftig Anne Reicherts Aufgabe. Die 33- jährige Sozialarbeiterin arbeitete viele Jahre in der stationären Unterstützung, wo sexualisierte Gewalt an Frauen immer ein Thema war. Zunächst befristet bis 31. Dezember 2018 verstärkt sie die hauseigenen, vorhandenen Beratungsangebote. Außerdem soll sie die Präventionsangebote ausbauen und Öffentlichkeitsarbeit leisten.

Um allen Formen sexualisierter Gewalt verstärkt entgegenzutreten, will sie neue Formen des Opferschutzes entwickeln, Angst-Räume im Blick behalten und Schutzkonzepte für Veranstaltungen entwickeln. Mit den Gleichstellungsbeauftragten der Städte und Gemeinden im Kreis sowie mit dem Kommissariat Vorbeugung hat sie bereits Kontakt aufgenommen – und lief offene Türen ein. Erst in der vergangenen Woche hatten diese, wie berichtet, eine verstärkte Kooperation hinsichtlich der Selbstbehauptungskurse angekündigt.

Stellenplan

Die neue Vollzeit-Stelle über 39 Stunden pro Woche wird vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) finanziert. Damit hat die Frauen- und Mädchenberatungsstelle im Kreis Unna aktuell 3,75 Stellen zur Verfügung.

Auch mit Veranstaltungsmanagern hat Reichert gesprochen – und verabredet, bei der Planung eingebunden zu werden und „Security Points“, also Sicherheits- Orte, einrichten zu können. Dort sollen hilfesuchende Frauen schnell und unkompliziert Ansprechpartner finden.

Wie das konkret aussehen wird, weiß Reichert noch nicht. Immerhin ist sie erst sechs Wochen im Dienst. Festgezurrt ist allerdings schon ein Beratungsangebot rund um den Jahreswechsel. Weil davon auszugehen ist, dass die Kölner Ereignisse dann nochmals zum Thema werden und bei Frauen zu Unsicherheit führen, wird Anne Reichert am 29. und 30. Dezember sowie am 2. Januar verstärkt Beratung anbieten: Sowohl persönlich, am Telefon als auch über Chat und Email. „Für den 2. hoffe ich, dass sich niemand meldet“, gesteht sie. Denn weitere Übergriffe sollen ausbleiben.

Was in zwei Jahren sein wird, weiß niemand. Allerdings ist davon auszugehen, dass Reicherts Aufgaben auch dann noch gefragt sind. „Wir werden die Arbeitsergebnisse festhalten und auswerten, um frühzeitig mit anderen Trägern unter dem Dach unseres Paritätischen Wohlfahrtsverbands politisch für eine dauerhafte Förderung dieser zusätzlichen Personalstelle arbeiten zu können“, erklärt Birgit Unger.


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