Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

11.01.2017 Stadtspiegel Unna

Selbstbehauptungskurs im Kreis Unna für Frauen

Frauen die Angst nehmen möchte ein neues Kursangebot im Frauenforum, das jetzt vorgestellt wurde (v.l.): Karin Gottwald (Leiterin Frauenforum), Heike Redlin (Kommissariat Kriminalprävention), Anne Reichert (Fachstelle Sexualisierte Gewalt) und Landrat Michael Makiolla. Stadtspiegel-Foto: Stefan Reimet

Gefahren erkennen

Kurs in Selbstbehauptung und Selbstverteidigung der Frauen- und Mädchenberatungsstelle

Die Silvesternacht 2015 in Köln hat das individuelle Unsicherheitsgefühl vieler Frauen im öffentlichen Raum sicher noch verstärkt. Dabei weist die Statistik keinen Anstieg sexueller Übergriffe aus. Dem persönlichen Angstgefühl möchte die Frauen-und Mädchenberatungsstelle im Kreis Unna jetzt mit einem Kurs in Selbstbehauptung und Selbstverteidigung entgegentreten.

VON STEFAN REIMET

KREIS UNNA. Tipps zum Selbstschutz und der Abbau von Ängsten stehen im Fokus einer neuen Kooperation in Zusammenarbeit mit der Kreispolizeibehörde. Anne Reichert, Sozialarbeiterin in der Fachstelle sexualisierte Gewalt, entwickelte das Konzept gemeinsam mit Heike Redlin, Leiterin Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz.

„Die Nachfrage ist gestiegen“, erklärt Anne Reichert. Im Herbst waren die Teilnehmerinnen eines Wen Do-Selbstverteidigung- Kurses interessiert an einem weiteren Schritt. Heike Redlin: „Einigen reicht die Selbstbehauptung, andere möchten sich verteidigen können. Jetzt wurde eine Kombination entwickelt.“ Drei Abendtermine mit Informationen zum Thema Selbstbehauptung und Selbstsicherheit werden kombiniert mit einem Praxistermin mit einem Wing Tsun-Trainer. Wing Tsun wurde von Frauen entwickelt, den Anstoß gab eine Frau, die Gewalt durch den eigenen Mann erlebte. Gemeinsam mit einer Nonne studierte sie Verteidigungsübungen ein. Es geht weniger um Kraft als vielmehr um intelligente Technik. Durchführen wird den praktischen Teil Wing Tsun-Fachtrainer Ralf Konkel aus Gevelsberg, gemeinsam mit zwei Assistentinnen.
Gesteigertes Selbstwertgefühl

Kursinformationen

  • Sicher und Selbstbewusst - Der Kurs richtet sich an Frauen und Mädchen ab 14 Jahren.
  • Der Kurs hält Tipps und praktische Übungen für eine selbstbewusste Haltung und Verteidigung im Notfall bereit.
  • Die Theorie-Phase beginnt am Montag, 6. Februar.
  • Weitere Termine: 13. und 20. Februar je 18.30 bis 20.30 Uhr.
  • Der praktische Teil mit Wing Tsun Trainer Ralf Konkel findet am Samstag, 4. März, 10 bis 14 Uhr statt.
  • Anmeldung: Frauenberatungsstelle Tel. 02303/82202.
  • Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und die Kurskosten betragen 40 Euro.

Bei einem Pressegespräch erklärte Heike Redlin, im letzten Jahr seien die Ängste gestiegen. Der Kurs beinhalte vor allem die Bekämpfung der Ängste durch Besprechen der aktuellen Situation. Wenn Frauen darauf angesprochen werden ist die Gewalt aus dem Nahbereich viel umfangreicher als von Fremden.

„Frauen sollen sich auch körperlich wehren können. Es steigert das Selbstwertgefühl.“ Das Angebot sei mit Kursen in privaten Kampfschulen nicht zu vergleichen. Die Nachfrage sei da, zunehmend auch von Müttern, die sich um die Sicherheit ihrer Töchter sorgen. Es könne nicht sein, so Redlin, dass Frauen nicht mehr zu Veranstaltungen gehen oder nachts im öffentlichen Raum unterwegs sind. „Sexuelle Gewalt ist ein wichtiges Thema und das bereits lange vor Köln“, so Landrat Michael Makiolla, Chef der Kreispolizeibehörde. Die öffentliche Diskussion möchte die Kreispolizeibehörde zum Anlass nehmen, Hilfsangebote anzubieten. Die polizeiliche Sicherheit greife zu kurz. „Es ist nicht nur eine Aufgabe der Polizei.“ Man wisse, dass Gewalt in erster Linie ein Thema des Nahbereichs ist. Meistens finde diese in Familien, im Freundes- und Bekanntenkreis statt.

Frauen sollen sich im Nahbereich sicher fühlen können. Es sollen die tatsächlichen Gefahren dargestellt werden. Makiolla: „Es herrschen falsche Vorstellungen, wie gefährlich es vor Ort ist. Das hat mit der Realität recht wenig zu tun.“ Die Netzwerke des Frauenforums mit den Kompetenzen der Polizei zu kombinieren sei das Ziel, so Makiolla. Anne Reichert: „Das ist ein altes Thema.“ Jede Zweite habe bereits sexuelle Übergriffe aus dem Nahbereich erlebt, bei Gewalt durch Fremde liege die Quote hingegen bei 15 Prozent.

48 Fälle sexueller Gewalt lagen dem Frauenforum im abgelaufenen Jahr vor. Darunter auch zahlreiche Fälle aus der Vergangenheit, bei denen Frauen erst jetzt die Kraft zum Gespräch finden. Um künftig Übergriffen vorzubeugen sei ein sicheres Auftreten der erste Schritt. Gefahren zu erkennen und Handlungsmuster zu entwickeln soll den Frauen in dem Kurs vermittelt werden.


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