Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

08.03.2017 Hellweger Anzeiger Kreis Unna

Ist Luisa da?

Zu Illustrationszwecken verwendetes Bild des Hellweger Anzeigers

Ist Luisa da?

Von Christoph Schmidt

Fühlt sich eine Frau belästigt oder bedroht, ist es wichtig, dass sie rasch aus dieser Situation entkommen kann. Um gezielt Hilfe zusichern zu können, soll nun auch im Kreis Unna die Initiative „Luisa ist hier!“ eingeführt werden.

Kreis Unna. Eine junge Frau, nennen wir sie Jana, hat über das Internet einen Mann kennengelernt. Die beiden verabreden sich, wollen in einer Bar etwas trinken gehen. Schon beim ersten Cocktail merkt Jana, dass es nicht gerade funkt. Bei ihrem Date scheint das anders zu sein. Er ist schon beim zweiten Longdrink, rutscht immer näher, beugt sich beim Reden weit über den Tisch. Jana fühlt sich immer unwohler, sie riecht den Alkohol in seinem Atem, spürt seine Blicke und hört seine anzüglichen Bemerkungen. Eigentlich will sie nur noch weg.

Sicher, es gibt viele Frauen, die in dieser Situation einfach aufstehen und gehen oder ihrem missratenen Date an Ort und Stelle ordentlich die Meinung geigen. Das ist auch gut und richtig, und eigentlich wäre es am besten, wenn es die Initiative „Luisa ist hier!“ überhaupt nicht geben müsste. Doch es gibt sie, und zwar genau für diese und ähnliche Situationen. Denn während die eine in diesem Moment selbst aktiv wird und sich aus der Situation heraus behaupten kann, gilt das lange nicht für alle.

Codesatz statt langer Erklärungen

Ist Luisa da?

Anne Reichert (l.) und Karin Gottwald wollen am liebsten jede Kneipe, jede Bar und jedes Restaurant im Kreis Unna als Partner für die Initiative gewinnen.
Foto: Schmidt

Die Idee hinter der Initiative ist, dass Frauen durch eine Codefrage an das Personal eines Gastronomiebetriebes diskret und unkompliziert darauf hinweisen können, dass sie sich gerade belästigt oder bedroht fühlen. Die Codefrage lautet: „Ist Luisa hier?“. Das Hilfegesuch ist aus mehreren Gründen ganz bewusst als ein Code festgelegt worden. Zum Einen, weil die drei Worte vielleicht in einer solchen Stresssituation leichter über die Lippen gehen als der Satz: „Entschuldigung, mein Date scheint etwas betrunken zu sein und wird gerade zu aufdringlich, können Sie mir bitte helfen?“ Zum Anderen, weil durch den Codesatz gar nicht konkret beschrieben werden muss, warum eine Situation als belästigend empfunden wird.

Anne Reichert erklärt: „Jeder Mensch hat seine eigene Grenze, ab wann es zu weit geht. Das ist aber völlig nebensächlich, denn durch die Codefrage muss niemand genau benennen, was passiert ist. Es ist direkt klar, dass Hilfe gewünscht ist.“ Die Mitarbeiterin in der Fachstelle zu sexualisierter Gewalt hat sich bei der Frauen- und Mädchenberatungsstelle dafür eingesetzt, dass die Aktion kreisweit eingeführt wird.

In Münster läuft die Kampagne „Luisa ist hier!“ unter der Leitung des Frauennotrufs bereits seit Herbst vergangenen Jahres. Ursprünglich kommt die Idee aus Großbritannien und so langsam breitet sie sich auch auf dem Kontinent aus. „Überfällig“, wie Karin Gottwald findet. „Jede dritte Frau hat bereits Situationen erlebt, in denen sie angemacht, angestarrt oder betatscht wird“, berichtet die Leiterin der Frauen- und Mädchenberatungsstelle. „Gerade in ausgelassener Stimmung und in Verbindung mit Alkohol kommt es immer wieder zu bedrängenden Situationen.“

Frauen und Mädchen bräuchten dann konkrete Unterstützung, wenn es zu beunruhigenden bis bedrohlichen Situationen oder zu tatsächlichen Übergriffen gekommen sei, so Gottwald weiter. Ein einfaches Mittel, wie die drei Worte, können somit dafür sorgen, dass nichts Schlimmeres passiert. Grundsätzlich soll die Kampagne dazu beitragen, das individuelle Sicherheitsgefühl von Frauen und Mädchen zu verbessern.

Lösungsstrategie wird gleich mitgeliefert

„Vielleicht ist es auch gut, dass sich durch diese Kampagne viele Frauen überhaupt einmal damit auseinandersetzen, was sie in einer Belästigungssituation tun würden“, fügt Anne Reichert hinzu. Denn die meisten haben ja eine solche Situation bislang noch nicht erlebt und freiwillig beschäftigt sich wohl niemand mit einer so unangenehmen Frage, was dann zu tun ist. Mit dem Codesatz wird Frauen und Mädchen auf jeden Fall direkt ein Lösungsansatz an die Hand gegeben. Die Mitarbeiter in den teilnehmenden Gaststätten sollen auch etwas an die Hand bekommen. Einen kleinen Maßnahmenkatalog, in dem steht, wie sie auf den Codesatz am besten reagieren können. „Das Personal kennt den Code, wird Unterstützung anbieten – das könnte sein, die Frau an einen Rückzugsort zu begleiten, ihr ein Taxi zu rufen oder Ähnliches“, sagt Reichert.

Wichtig sei, dass durch den Initialsatz der Betroffenen eine verstärkte Aufmerksamkeit zukommt und sie das Gefühl hat, in einer unangenehmen Situation, angemessene Unterstützung zu bekommen.

Aktion im TV

  • Das WDR-Fernsehen wird dem Thema im Magazin „Frau tv“ einen Beitrag widmen.
  • Die Sendung wird am morgigen Donnerstag, 9. März, um 22.10 Uhr ausgestrahlt.

Werbung für die Aktion

Auf die Mitarbeiterinnen der Frauen- und Mädchenberatungsstelle kommen anstrengende Zeiten zu. Nun geht es darum, dass sie die Kampagne bewerben
müssen. Dazu bedarf es der Unterstützung der Betreiber von Kneipen, Bars und Diskotheken. Die Plakate (siehe links) sollen dann in den teilnehmenden
Gastronomiebetrieben im Damen WC ausgehängt werden. Darüber hinaus werden Flyer verteilt.

„Wir freuen uns auch, wenn sich interessierte Wirte selbst an uns wenden“, fordert Karin Gottwald auf. „Im Kreis Unna haben die Gleichstellungsbeauftragten aller Kommunen sowie des Kreises bereits ihre Unterstützung zugesagt“, so Gottwald weiter.

Interessierte Wirte können sich direkt an das Frauenforum wenden: Tel. 0 23 03/77 89 10. geschaeftsstelle@frauenforum-unna.


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