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11.03.2017 Hellweger Anzeiger Stadt Unna

Mehr Licht für die Sicherheit

Mehr Licht für mehr Sicherheit

Von Christoph Schmidt

„Angsträume“: eigentlich ein Unwort. Aber wie man sie nun auch nennt, die dunklen Straßenecken, schummrigen Wege durch Grünflächen und schlecht beleuchteten Unterführungen, es gibt sie. Genau an diesen Stellen soll durch gezielte Maßnahmen das individuelle Sicherheitsempfinden verbessert werden.

Unna. Um genau solche Angsträume zu definieren und in Zukunft gezielt abbauen zu können, hat die Frauen- und Mädchenberatungsstelle zu einem Abendspaziergang entlang der Friedrich-Ebert-Straße geladen. Mit leicht zusammengekniffenen Augen blinzelt Anne Reichert dem hellen Schein der Straßenlaterne am Fußgängerüberweg kurz hinter dem Kreishaus entgegen. „Auf der Hauptstraße ist die Beleuchtung ja wirklich gut“, befindet die Mitarbeiterin in der Fachstelle für sexualisierte Gewalt. Es ist noch eine der älteren Lampen, deren gelbliches Licht sich scharf auf dem Asphalt abzeichnet. „Wenn ich hier aber nach rechts und links schaue, sehe ich sprichwörtlich schwarz. Da ist es wirklich extrem dunkel“, analysiert sie weiter und schaut in die Finsternis, die sich entlang der baumbestandenen Unteren Husemannstraße ausbreitet. (Bild 1)

In Sichtweite, nämlich auf dem Parkplatz am Kreishaus, sind auch bereits Laternen mit moderneren LED-Lampen ausgestattet. Ihr energieeffizienteres Licht ist grell weiß und im Bereich der Lampe so hell, dass man direkt gar nicht hineinschauen kann. Dennoch erzeugen sie gefühlt weniger Helligkeit. Warum das so ist, wird sogleich unter den Stadtratsmitgliedern, die ebenfalls zur Begehung eingeladen worden sind, diskutiert. Der Konsens: Die moderneren LED-Leuchtmittel sind ohne Frage sparsamer. Auf dem Papier liefern sie auch vergleichbare Werte zu den alten Natriumdampflampen. Es gibt jedoch Unterschiede in puncto Lichtfarbe und Lichtstreuung. (Bild 3)

Mehr Licht in Unna
  1. Gerade die Stichstraßen der Friedrich-Ebert-Straße (siehe Bild oben - Untere Husemannstraße) wirken besonders dunkel.
  2. Der Rad- und Gehweg am Park erscheint richtiggehend als schwarzes Loch.
  3. Besonders deutlich wird der Unterschied in der Beleuchtung, wo alte und neue Lampen nebeneinander stehen. Das LED-Licht ist weißer und streut weniger.

Dadurch wird die tatsächliche Helligkeit anders wahrgenommen. Gerade die geringere Lichtstreuung könne dazu beitragen, dass das LED-Licht punktueller beleuchtet und nicht die Fläche erreicht, wie es die alten Lampen konnten. Die Lichtfarbe sei schlicht Gewohnheitssache. Derzeit wird im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehrsplanung des Rates der Stadt ein sicherheitsorientiertes Beleuchtungskonzept für die Friedrich-Ebert-Straße behandelt. „Das ist auch der Grund gewesen, warum wir zu dieser Begehung der Friedrich- Ebert-Straße eingeladen haben“, sagt Karin Gottwald. Die Leiterin der Frauen- und Mädchenberatungsstelle weiß von vielen anderen Orten in Unna, an denen ähnliche Angsträume bestehen, vielleicht sogar noch extremer. Irgendwo müsse nun einmal ein Anfang gemacht werden: „Unsere Idee war es, uns gemeinsam mit den im Ausschuss vertretenden Ratsmitgliedern einen Überblick über Stellen und Ecken zu verschaffen, die als sogenannte Angsträume bei Menschen, insbesondere bei Frauen und Mädchen, gelten.“

Im weiteren Verlauf der abendlichen Begehung fallen an der Friedrich-Ebert-Straße einige Ecken auf, die zumindest Unbehagen bereiten können. Dazu zählt ganz sicher der Abzweig des Geh- und Radweges an der Parkstraße, welcher sich regelrecht wie ein schwarzes Loch auftut. (Bild 2) Das Licht der Kreuzung dringt noch genau bis an die Heckenbepflanzung vor, dahinter ist nichts mehr zu erkennen. Nördlich des Amtsgerichtes ist bis zur Höhe Christuskirche gut zu erkennen, welchen Einfluss die passive Beleuchtung etwa durch Ladenlokale auf die gefühlte Helligkeit hat.

„Angsträume entstehen letztlich durch die eigene Wahrnehmung und werden durch persönliche Gefühle definiert. Die dunkle Ecke, die für eine Person beängstigend ist, nimmt eine andere Person möglicherweise gar nicht wahr“, fasst Reichert zusammen. Häufig können einfache Maßnahmen zu einem besseren Sicherheitsgefühl beitragen, etwa der Rückschnitt von Büschen und Bäumen oder eben bessere Ausleuchtung. Die Begehung der Friedrich- Ebert-Straße war diesbezüglich nur der Anfang.

Anne Reichert möchte diese Orte nun sammeln und nach und nach weiter untersuchen. Daher lautet auch ihr Aufruf: „Wenn Sie eine Straßenecke oder einen Winkel in der Stadt kennen, den Sie als Angstraum bezeichnen würden, schicken Sie eine Email mit der genauen Beschreibung und vielleicht sogar ein Foto von der betreffenden Stelle an frauenberatungsstelle3@frauenforum-unna.de.“

Hinweise des Frauenforums zu hilfreichen Apps und Gadgets für den sicheren Heimweg finden Sie hier »

 


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