Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

18.04.2017 Hellweger Anzeiger

Gewaltthemen aus der Tabu-Zone geholt. Anlaufstelle für Gewaltopfer oder Hilfesuchende zieht Jahresbilanz
Gewalt ereignet sich oft im privaten Raum. Das Frauenforum im Kreis Unna bietet Betroffenen eine Anlaufstelle und unterschiedlichste Formen der Hilfe an. Die Beratungsangebote für Frauen decken darüber hinaus ein breites Spektrum ab. Foto: dpa

Gewaltthemen aus der Tabu-Zone geholt

Anlaufstelle für Gewaltopfer oder Hilfesuchende zieht Jahresbilanz

Von Stephanie Tatenhorst

Kreis Unna. Seit 30 Jahren existiert das Frauenforum im Kreis Unna, der Blick auf das vergangene Jahr zeigt aber deutliche Veränderungen: Eskalierende Ereignisse hatten spürbare Auswirkungen auf die Arbeit vor Ort – dabei gingen die Fallzahlen zurück.

Die Übergriffe aus der Kölner Silvesternacht hatten eine wichtige Folge: Plötzlich gab es politische Aufmerksamkeit, Gesetze wurden geändert, finanzielle und personelle Mittel bereit gestellt, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Dabei ist das Maß an häuslicher und sexueller Gewalt, das an Frauen und Mädchen verübt wird, im privaten Raum wesentlich höher als im öffentlichen.

Das weiß niemand besser als das Frauenforum im Kreis Unna, das Frauen als Anlaufstelle dient, ihnen eine Übernachtungsgelegenheit bietet oder in anderen Dingen mit Rat und Tat zur Seite steht. Ob Opfer von physischer Gewalt oder von Krieg und Terror: Das Frauenforum bietet für alle eine Anlaufstelle. Auch die Themen Trennung, Scheidung oder Beziehungsprobleme sind im Frauenforum ein Thema, ebenso soziale Isolation, Trauer, rechtliche Probleme, Stalking oder Essstörungen.

323 Klientinnen zählte die Einrichtung im vergangenen Jahr insgesamt. 174 Mal registrierten sie Fälle von häuslicher Gewalt. Vergleicht man die Zahlen aus 2016 mit der Vorjahresstatistik, ist ein deutlicher Rückgang erkennbar. Für Geschäftsführerin Birgit Unger hat dies vor allem einen Grund: „Unsere langfristig angelegten Maßnahmen zeigen Erfolge.“

Besonders froh sind sie und ihr Team, dass zum Jahresende gemeinsam mit Landrat Michael Makiolla und Sozialdezernent Torsten Göpfert Unterschriften unter einen zukunftsfesten Leistungs- und Finanzierungsvertrag gesetzt werden konnten. Damit ist die Bezahlung der Mitarbeiterinnen nicht nur tarifgerecht, sie entspricht auch der Qualität der erbrachten Leistungen.

Hinsichtlich der inhaltlichen Arbeit schaute das Frauenforum auch über den Tellerrand, suchte selbst Frauen auf, wenn diese nicht zu ihnen kommen konnten, und intensivierte die Zusammenarbeit mit anderen Kooperationspartnern wie dem Multi-Kulturellen Forum Lünen, der Werkstatt im Kreis Unna, dem Kinderschutzbund, Jobcenter und den Flüchtlingshelferkreisen. „Niederschwellig“ war eines der wichtigsten Schlagworte im vergangenen Jahr – und die öffentliche Diskussion um Gewaltthemen holte so manchen Vorfall für die Betroffenen aus der Tabu-Zone. Von daher war ein gutes Jahr für das Forum, doch die Arbeit muss weiter gehen.

Gewaltthemen aus der Tabu-Zone geholt. Anlaufstelle für Gewaltopfer oder Hilfesuchende zieht Jahresbilanz

Weichen führen in die Zukunft

Projekte werden fortgeführt, neue Maßnahmen angestoßen

Vieles von dem, was im vergangenen Jahr begonnen oder angestoßen wurde, kann in diesem Jahr fortgeführt – oder gar neu auf den Weg gebracht werden.

Anfang des Monats startete das über zwei Jahre vom Land geförderte Modellprojekt „Zukunftsperspektive gewaltfrei Wohnen – Frauenhaus Plus“. In der besonders schwierigen Übergangsphase des Umzugs in eine eigene Wohnung erhalten Frauen und ihre Kinder durch eine zusätzliche Sozialarbeiterin Unterstützung. Das sei wichtig, denn durch die Wohnungssuche, den Auszug und den damit verbundenen Abschied von neu gewonnener Sicherheit drohe die Gefahr neuerlicher Krisen, wenn die Frauen wieder in gewohnte Muster zurückfielen und in der Phase der Neu-Orientierung keine Antworten auf ihre Fragen fänden, erklärt das Team des Frauenforums.

„Ziel ist eine bedarfsentsprechende, individuelle und gezielte Nachsorge und Begleitung in eine eigene Wohnung und damit verbunden in eine eigenständige Lebensgestaltung“, erklärt das Leitungs-Team des Frauenforums.
Weitergeführt werden kann auch das Projekt „Förderung von Beratung und Unterstützung für von Gewalt betroffene traumatisierte Flüchtlingsfrauen“, freuen sich die Mitarbeiterinnen des Forums. Denn hier geht es vor allem darum, ehrenamtliche Helfer zu schulen: Zum einen im Umgang mit traumatisierten Frauen, zum anderen aber auch hinsichtlich der dringend notwendigen Selbstfürsorge. Und das wurde zum Selbstläufer: Aus den Schulungen ergab sich eine kollegiale Fallberatungsgruppe, die sie nach wie vor im Frauenforum trifft.

Im vergangenen Jahr sowie im Jahr davor wurde auch die Täterarbeit angestoßen. Es gab Kontakte zu Anlaufstellen für gewaltbereite Männer. Es gab die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit dem Verein „Die Brücke Dortmund“, der Träger des Projektes „MannoG – Mann ohne Gewalt“ ist. Für dieses Jahr wird eine Kooperation angestrebt, deren Zielsetzung es ist, den Schutz von Frauen und Kindern zu verbessern.


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