Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

14.10.2017 Pressemitteilung

Taeterarbeit als Ausweg aus der Gewaltspirale
Gemeinsame Sache gegen häusliche Gewalt: Karin Gottwald (l.) und Melanie
Windmüller (r.) vom Frauenforum sowie
Claudia Koch vom Projekt „Mann ohne Gewalt“ mit der Kooperationsvereinbarung.

FOTO: KOHUES

Täterarbeit als Ausweg aus der Gewaltspirale

KREIS UNNA. Bei häuslicher Gewalt gilt es vor allem, den Opfern zu helfen. Um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen, richtet das Frauenforum im Kreis Unna nun auch einen Fokus auf die Täter. Und die sind meist männlich.

"Mann ohne Gewalt“ heißt ein Projekt, das seit 2011 durch Gelder aus dem Landesjustizministerium gefördert wird. Der Dortmunder Verein „Die Brücke“ ist der regionale Anbieter,
der auf der Grundlage von Standards der Bundesarbeits-gemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt arbeitet. Seit diesem Jahr können dank einer Kooperationsvereinbarung mit dem Frauenforum auch Männer aus dem Kreis Unna an den Kursen teilnehmen.

„Es geht darum, Gewalt nachhaltig zu durchbrechen“, sagt Karin Gottwald, die Leiterin der Frauen- und Mädchenberatungsstelle beim Frauenforum. Denn so wichtig die Opferarbeit auch ist: Häufig haben betroffene Paare den Wunsch, zusammenzubleiben, es noch einmal miteinander zu versuchen– weil sie noch Liebe füreinander empfinden, weil es auch um die Kinder geht. Und damit es nicht erneut zu Gewaltausbrüchen
kommt, gilt es, auch den Tätern Aufmerksamkeit zu schenken, mit ihnen an ihrem Verhalten zu arbeiten.

Genau das erfolgt in den Kursen von „Mann ohne Gewalt“. Leiterin Claudia Koch arbeitet zusammen mit einem
männlichen Kollegen in Gruppen mit acht bis zehn Männern, das Training nennt sie „psycho-edukativ“.
Im Kern gehe es darum, dass die Männer die Verantwortung für ihr gewalttätiges Handeln übernehmen,
anstatt Argumente wie Alkohol oder Stress auf der Arbeit vorzuschieben.

In den wöchentlichen Sitzungen, insgesamt 25 Termine mit einem Umfang von 50 Stunden, wird auch in Einzelgesprächenüber die verschiedenen Formen von Gewalt gesprochen, die persönlichen Erfahrungen, die individuelle Paardynamik. Es sind viele kleine Schritte, die dazu führen sollen, dass die Teilnehmer lernen, die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und zukünftig Auseinandersetzungen mit Partnerin
und Kindern gewaltfrei und möglichst respektvoll zu führen.

Nicht freiwillig

Die Männer kommen in der Regel nicht freiwillig in die Kurse, sondern werden von Gerichten oder Staatsanwaltschaften zur Teilnahme verpflichtet. Bezahlen müssen sie dank der Landesförderung zwar nicht dafür, doch angesichts der Sensibilität des Themas hält nicht jederüber die volle Distanz durch. Erfahrungsgemäß breche ein Viertel der Männer die Teilnahme ab, sagt Claudia Koch. Doch eine Wirkung könne es trotzdem geben: „Wenn die Frau es dann schafft, sich von der Beziehung zu lösen, haben wir auch etwas erreicht.“

Geringe Rückfallquote

Veränderung und damit Erfolg bringe das Projekt aber auch bei der Mehrheit der Männer, die den Kurs zu Ende bringt. Claudia Koch berichtet von einer Erhebung der Staatsanwaltschaft Duisburg, wonach von 20 Teilnehmern nach dem Präventionskurs nur einer rückfällig wurde und es zur erneuten Anzeige häuslicher Gewalt kam.

Da wundert es nicht, dass die Mitarbeiterinnen des Frauenforums sehr froh über die nun geschlossene Kooperation sind. Ein Beratungsund Unterstützungsangebot auch für Männer im Kreis Unna wollten sie schon lange schaffen, nun ist dieses Ziel erreicht. Sechs Männer aus dem Kreis Unna hätten an dem Kurs bereits teilgenommen, doch natürlich sollen es noch mehr werden. „Wir wünschen uns, dass auch die Polizei betroffene Männerüber das Angebot informiert und sich auch Männer aus eigener Motivation melden, um den Kreislauf häuslicher Gewalt zu durchbrechen“, sagt Beraterin Melanie Windmüller.

Von Kevin Kohues


Hellweger Anzeiger


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