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Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

25.06.2018 Pressemitteilung

Wohnen ist ein Menschenrecht

Aktivisten setzten am Samstag in Unna ein Zeichen für das Recht zu wohnen. Sie weisen darauf hin, dass mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen muss.


Wohnen ist ein Menschenrecht

UNNA. Für Menschen mit wenig Geld fehlt bezahlbarer Wohnraum. Verbände demonstrieren, um Politiker und Investoren zum Handeln zu bewegen. An politischem Willen sollte es eigentlich nicht scheitern.

Mit einem Flashmob wiesen Caritas, Diakonie und Frauenforum auf ein drängendes Problem im Kreis Unna hin: Wohnungsnot.

Aufmerksamkeit erregten am Samstag vier Wände, die sich von allen Zugängen des Alten Markts auf dessen Mitte zu bewegten und dort zu einem symbolischen Haus zusammengenagelt wurden. Abgebildet waren auf den mit Stoff bezogenen Rahmen eine Küche, ein Wohnzimmer, ein Kinderzimmer und ein Badezimmer, zusammen also nur eine einfache Wohnung. Und genau das ist es, was der Caritasverband für den Kreis Unna, das Diakonische Werk Dortmund-Lünen und das Frauenforum im Kreis Unna in ihrer gemeinsamen Kampagne „Nur eine Wohnung“ für jeden Menschen fordern. „Wohnungen werden immer teurer und das führt dazu, dass bestimmte Leute keine Chance mehr haben, eine Wohnung zu bekommen. Und diese bestimmten Leute werden immer mehr“, erläuterte Jan Wandschneider vom Caritasverband.

Schutz vor Überghriff

Aus den mobilen Plakatwänden entstand auf dem Marktplatz ein dreidimensionales Objekt: Küche, Wohnzimmer, Kinderzimmer Bad. Das Lied „In diesem so sozialen Staat“ begleitete die Aktion.

FOTOS: HENNES

Menschen ohne Netzwerk

Neben Menschen, die ohnehin kaum in Netzwerke eingebunden sind, wie Geflüchtete oder Arbeitslose, sind auch immer mehr Singles, Studenten und auch Senioren von Wohnungslosigkeit bedroht. „Das geht ganz schnell“, erklärte Silvia Engemann, die bei der Caritas den Bereich Wohnungslosenhilfe betreut. Arbeitslosigkeit oder Trennung vom Partner führten schnell dazu, dass man seine alte Wohnung verlassen muss. Da es aber keine bezahlbaren Wohnungen auf dem Markt gibt, geraten Betroffene in Schwierigkeiten.

Belastende Situation

„Es ist nicht so, dass diese Menschen alle auf der Straße sitzen“, so Engemann. Viele kommen bei Familie oder Freunden unter oder werden in einer Einrichtung der Wohnungslosenhilfe untergebracht. Aber auf Dauer ist auch das belastend. Daher will das Aktionsbündnis, das aus der gemeinsamen Arbeit mit Wohnungslosen hervorgegangen ist, darauf aufmerksam machen, dass eine Wohnung ein Menschenrecht ist. Und es geht um nicht viel mehr als vier Wände und ein Dach über dem Kopf. „Das ist das, was wir brauchen“, sagte Birgit Unger vom Frauenforum. „Entscheidet euch für sozialen Wohnungsbau“, gab sie nicht nur der Politik, sondern auch den Bürgern mit auf den Weg. Verbunden mit der Bitte, sich zu melden, wenn jemand freien Wohnraum zur Verfügung hat oder jemanden kennt. Denn Leerstand entstehe nicht nur dadurch, dass mit Immobilien spekuliert wird, sondern oft auch durch die Sorge der Vermieter, die nicht wissen, ob Vermietung an Menschen in einer schwierigen Lebenslage sicher ist. „Wir beraten gern“, erklärte Jan Wandschneider für den Caritasverband.

Udo-Jürgens-Klassiker zum Auftakt

Kampagne dauert ein ganzes Jahr

Der Flashmob auf dem Markt war nur der Auftakt der Aktion„Nur eine Wohnung“, die noch das ganze Jahr mit verschiedenen Aktionen durch den Kreis wandern soll. Einstweilen sangen Organisatoren und Unterstützer der Aktion gemeinsam zu der Melodie von Udo Jürgens „Ein ehrenwertes Haus“: „Das Schicksal wirft Dich auf die Straße und die Landung die ist hart, denn eine neue Wohnung find’st Du nicht – in diesem so sozialen Staat.“
Weitere Informationen zur Kampagne sind im Internet zu finden: http://nur-eine-wohnung.de.

Jede vierte neue Wohnung soll sozial gefördert sein

Die Stadt Unna hat ein Rahmenkonzept für den Wohnungsbau, mitunter sind aber die Flächen knapp.

Das Thema Sozialer Wohnungsbau begegnet den Unnaern inzwischen an den verschiedensten Stellen, und das ist auch politisch so gewollt. Vor einem Jahr hatte der städtische Sozialausschuss einen Handlungsrahmen für die Schaffung von günstigem Wohnraum verabschiedet. Rund 25 Prozent der neu zu bauenden Wohnungen im Stadtgebiet sollen als Wohnungen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus ausgewiesen werden. Als Richtschnur nannte die Verwaltung 80 neue Wohneinheitenjährlich über einen Zeitraum von fünf Jahren. In der Vorbereitung für diesen Beschluss hatte die Verwaltung festgestellt: In den vergangenen Jahren wurden Zielvorgaben für die Schaffung günstiger Wohnungen nicht erfüllt. Investoren bauten vor allem hochpreisige Eigentums- und Mietwohnungen. Der öffentlich geförderte Bereich fand ein weniger großes Investitionsinteresse.

Zuvor hatte die Linksfraktion beispielsweise beantragt, die Fläche des Parkplatzes an der Schulstraße für den Sozialen Wohnungsbau entwickeln zu lassen. Auch bei anderen Baulandthemen spielt bezahlbarer Wohnraum eine Rolle. Beispiel Mühlenstraße: Das TÜV-Gelände soll zu einem Neubaugebiet entwickelt werden. Stadt und Investor wollen bei den Planungen im Zweifel eher auf ein paar Autostellplätze verzichten, wenn dafür mehr Wohnraum geschaffen werden kann.

Flächen sind knapp, das zeigte zuletzt das kommunale Wohnungsbauunternehmen UKBS. Der Unnaer Kreis-, Bau- und Siedlungsgesellschaft kommt bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums eine zentrale Rolle zu. Die UKBS hatte ein Bauprogramm von 200 Wohnungen angekündigt, davon 60 in Unna. Vor einem Jahr hatte GeschäftsführerMatthias Fischer aber auch auf ein Problem hingewiesen: den Mangel an frei bebaubaren Flächen. Als einziges größeres Grundstück in Unna nannte er eines neben dem Stadtteilzentrum in der Gartenvorstadt. Der Plan, dort Wohnungen zu bauen, hat sich aber nun wohl zerschlagen: Der Platz wird gebraucht, um den Kindergarten im Stadtteilzentrum zu erweitern. Es fehlt in Unna nämlich nicht nur an bezahlbarem Wohnraum, sondern auch an Betreuungsplätzen für Kindergartenkinder.

Flächen mit Potenzial gibt es aber auch. So will die Stadt am Rand des Kurparks die Immobilie der Landwirtschaftskammer und eine Fläche daneben in Bauland umwandeln, ebenso die der Harkortschule, deren Standort bekanntlich zum neuen „Bildungscampus“ verlagert wird. Eines der größten Projekte, die bereits umgesetzt werden, ist der Neubau des „Parkquartiers“ in Königsborn, mit insgesamt 140 Wohnungen an der Potsdamer Straße.

Von Sebastian Pähler und Thomas Raulf


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