ÜÜ
Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

14.12.2018 Pressemitteilung

Keine Mittel mehr für erfolgreiches Projekt für geflüchtete und traumatisierte Frauen

„Männer und Frauen haben die gleichen Rechte“ – in Deutschland selbstverständlich, aber nicht in der arabischen Welt. Auch so grundsätzliche Dinge haben die Beraterinnen des Frauenforums im dreijährigen Projektzeitraum geschult.

FOTO: ©Heine

Keine Mittel mehr für erfolgreiches Projekt für geflüchtete und traumatisierte Frauen

Wie so häufig: Fördermittel sind befristet, sodass selbst viel versprechende Ideen keine Perspektive haben. Auch das Frauenforum muss ein an sich sehr erfolgreiches Projekt nun wieder einstellen.

Kreis Unna - Lange Zeit war die Infrastruktur zur Bewältigung der Flüchtlingskrise in Deutschland vor allem auf Männer ausgerichtet, in Unterkünften fehlten vielfach sogar so selbstverständliche Dinge wie nach Geschlechtern getrennte Sanitäranlagen; von Intimsphäre für die oft traumatisierten Frauen ganz zu schweigen. Anfang 2016 nahmen nach Angaben der Unicef allerdings erstmals mehr Frauen und Kinder als Männer die oft lebensgefährliche Reise auf sich, in der Folge entstanden auch im Kreis Unna zunehmend Hilfsangebote speziell für Frauen.

Auch das Frauenforum Kreis Unna hatte den Bedarf erkannt, engagierte sich in der Flüchtlingsarbeit mit einem auf drei Jahre angelegten Projekt speziell für geflüchtete Frauen mit traumatischen Erlebnissen. Nun sind drei Jahre um – und weil damit auch die von Anfang an befristet angelegte Landesförderung ausläuft, spielen die Projekterfolge eigentlich keine Rolle. Für eine Fortsetzung ist schlichtweg kein Geld mehr da, es kann und wird also nicht weitergehen. Zumindest nicht in dem Umfang der vergangenen drei Jahre.

Ein Dilemma; nicht allein, weil die Arbeit mit geflüchteten Frauen einerseits und mit ehrenamtlichen Helfern andererseits sich bewährt hat. Sondern vor allem auch, weil das Angebot des Frauenforums in den entsprechenden Netzwerken eigentlich gerade erst so richtig bekanntgeworden ist. Freilich wird auch zukünftig niemand mit seinen Problemen allein gelassen, das würde dem Selbstverständnis des Frauenforums widersprechen. Das mit jährlich 30.000 Euro aus Landesmitteln finanzierte und speziell auf geflüchtete Frauen ausgerichtete Beratungsangebot wird sich in der Größenordnung allerdings nicht aufrechterhalten lassen. „Unsere Sorge ist, dass die betroffenen Frauen alleingelassen werden und das Thema aus der Öffentlichkeit verschwindet,“ sagt Karin Gottwald, Leiterin der Frauen- und Mädchenberatungsstelle.

Frauen- und Maedchenberatungsstelle

Karin Gottwald, Leiterin der Frauen- und Mädchenberatungsstelle

FOTO: ©Udo Hennes

Frauenbild in der arabischen Welt geprägt von Verachtung

Dabei ist es ein Thema von Brisanz. In der arabischen Welt ist das Frauenbild vielfach geprägt von Diskriminierung und Verachtung, entsprechend häufig erleben Frauen in diesen Ländern Gewalt. Davor aus ihrer Heimat geflohen, ist ihre beschwerliche Reise nach Europa häufig einhergegangen mit traumatischen Erlebnissen etwa durch sexuelle Gewalt. Und wirklich sicher waren und sind sie auch in Deutschland häufig nicht, herrscht doch in der Diaspora oft dieselbe patriarchale Kultur wie in ihren Heimatländern. Weil Frauen mit Fluchthintergrund häufig völlig hilflos sind, sind speziell auf sie ausgerichtete Hilfsangebote so wichtig.

Mit dem nun auslaufenden Projekt hat das Frauenforum betroffenen Frauen einerseits, aber eben auch ehrenamtlichen Helfern andererseits konkret helfen können. „Die vielen Ehrenamtlichen wurden zum sensiblen Umgang mit dem Thema sexuelle Gewalt geschult“, berichtet Gottwald. Mehr und mehr habe man über diese Arbeit auch Kontakte zu geflüchteten Frauen knüpfen und sich mit Unterstützungsangeboten direkt an sie wenden können. 170 Frauen waren es im dreijährigen Projektzeitraum insgesamt. Inhaltlich ging es in der Beratungsarbeit um so schwerwiegende Dinge wie Gewalterfahrungen, Genitalverstümmelungen, Zwangsverheiratungen oder Menschenhandel. Aufbauend auf das Grundgesetz der Bundesrepublik aber auch um so Grundsätzliches wie die Rechte von Frauen in Deutschland. „Und manchmal ging es auch um ganz praktische Alltagsfragen – etwa darum, wie man eigentlich Bus fährt“, berichtet Beraterin Heike Bagusch.

„Manchmal ging es auch um ganz praktische Alltagsfragen – etwa darum, wie man eigentlich Bus fährt.“

Heike Bagusch

 

Hoher Beratungsaufwand für Frauen mit Fluchtgeschichte

Schon daran lässt sich erkennen: Der Beratungsaufwand für Frauen mit Fluchtgeschichte ist ungleich höher, weshalb die Fördermittel in Höhe von 30.000 Euro pro Jahr eine wichtige Unterstützung waren. Aus den normalen Mitteln des Frauenforums ist der Zusatzaufwand schlicht nicht zu finanzieren. Weil mit dem Jahr 2018 nun auch die Unterstützung endet, ist eben dieser Zusatzaufwand nicht mehr leistbar.

Ein Netzwerk aus Dollmetscherinnen aufgebaut

Ein Ergebnis des Projekts ist dann aber doch so nachhaltig, dass es bleiben wird: Im Laufe der Zeit hat das Frauenforum im Rahmen des Projektes ein Netzwerk aus ehrenamtlichen Dollmetscherinnen aufgebaut, die hinsichtlich der besonderen Herausforderungen im Umgang mit gewalterfahrenen Frauen geschult worden sind. „Heute können alle unsere Einrichtungen auf einen Pool von etwa 24 geschulten Frauen zugreifen, die uns im Kontakt mit nicht-deutsch-sprechenden Frauen zur Seite stehen“, so Beraterin Frauke Huwald.

Von Alexander Heine


Hellweger Anzeiger


Termine & Aktuelles

PDF als Download

Aktuelle Kurse zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, Informations-veranstaltungen und Workshops

Termine und Informationen >>
Bildungsspender

Bundesweites Hilfetelefon für Frauen

365 Tage im Jahr, rund um die Uhr in mehreren Sprachen erreichbar.

Zur Website »