ÜÜ
Frauenforum im Kreis Unna e.V. Frauenforum im Kreis Unna e.V.

19.01.2019 Hellweger Anzeiger

Das Smartphone als Element der Beziehungsgewalt: In einer interaktiven Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen des Frauenhauses zeigt das Display exemplarische Drohnachrichten, wie sie täglich unzählige von Gewalt bedrohte Frauen erhalten.

Das Smartphone als Element der Beziehungsgewalt: In einer interaktiven Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen des Frauenhauses zeigt das Display exemplarische Drohnachrichten, wie sie täglich unzählige von Gewalt bedrohte Frauen erhalten.

Das darf schon mal gefeiert werden: 30 Jahre besteht nun das Frauenhaus im Kreis Unna.

Das darf schon mal gefeiert werden: 30 Jahre besteht nun das Frauenhaus im Kreis Unna.

Die beeindruckende Zahl von 4660 Frauen und Kindern haben in der 30-jährigen Geschichte des Frauenhauses Schutz gesucht und auch gefunden. Veranschaulicht hat Christina Schulz dies mit derselben Anzahl an Wattestäbchen.

Die beeindruckende Zahl von 4660 Frauen und Kindern haben in der 30-jährigen Geschichte des Frauenhauses Schutz gesucht und auch gefunden. Veranschaulicht hat Christina Schulz dies mit derselben Anzahl an Wattestäbchen.

Unter dem Bügeleisen versteckt sich ein   Zeitungsbericht. Eines der vielen Elemente, die es in einer interaktiven   Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen des Frauenhauses aufzuspüren galt.

Unter dem Bügeleisen versteckt sich ein Zeitungsbericht. Eines der vielen Elemente, die es in einer interaktiven Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen des Frauenhauses aufzuspüren galt.

FOTOS: Christoph Schmidt

Schutz vor Gewalt gegen Frauen muss unbürokratischer werden

Seit exakt 30 Jahren finden von Gewalt bedrohte Frauen mit ihren Kindern im Kreis Unna Schutz im Frauenhaus – bisher in beeindruckenden 4660 Fällen. Eine Erfolgsgeschichte mit Ausbaupotenzial.

Kreis Unna - Ein neues Leben kann mit einem einzigen Anruf beginnen. Oftmals kommt auf diese Weise der erste Kontakt zwischen von Gewalt bedrohten Frauen und dem Frauenhaus zustande. Wenn ein Zimmer frei ist, kann es oft schnell gehen, dass die Betroffenen mit gepackten Koffern nach Unna kommen. „Nicht nur für die Frauen eröffnet sich hier die Möglichkeit, Erfahrenes aufzuarbeiten, sondern ganz bewusst werden auch die Kinder mit einbezogen und parallel nicht nur akute Probleme besprochen, sondern auch Entwicklungsmöglichkeiten erarbeitet, die ein zukünftiges Leben für Mütter mit ihren Kindern sicherstellen sollen“, sagt Birgit Unger.

Bei Gewalterfahrung muss schnelle, unkomplizierte Hilfe her

Die Leiterin des Frauenforums im Kreis Unna, zu dem auch das Frauenhaus gehört, weiß um die Dringlichkeit, mit der hilfesuchenden Frauen im Akutfall Schutz gewährt werden muss. Leider ist der Platz im Frauenhaus begrenzt, weshalb es auch immer wieder vorkomme, dass Frauen abgewiesen werden müssten. Natürlich werden sie dann nicht einfach weggeschickt, sondern dank guter Netzwerkarbeit wird ihnen anderweitig Hilfe zuteil.

Seit der Gründung 1988 ist eine Menge passiert

Grundsätzlich hat sich seit den Anfängen 1988 noch in Kamen eine Menge getan. Welche Wertschätzung die Arbeit längst auch seitens des Kreises erfährt, zeigt sich ganz nüchtern in Zahlen: 250.000 Euro stellt der Kreis aus kommunalen Mitteln jährlich für das Frauenforum bereit, 180.000 Euro davon fürs Frauenhaus. Ganz emotional bringt es Landrat Michael Makiolla zum Ausdruck, der die Gründung des Frauenhauses als einen der Meilensteine auf dem Weg in die Gleichberechtigung in einem Atemzug mit der Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren nennt. Aber: „Der Kampf für die Gleichberechtigung geht immer noch weiter“, stellt Makiolla klar. Gerade in Zeiten, in denen es um die Kreisfinanzen nicht besonders rosig bestellt war, haben wir es geschafft über die gesamten 30 Jahre eine nachhaltige Finanzierung zu gewährleisten.“

Zukunftssichere Finanzierung muss gewährleistet sein

Wie elementar eine zukunftssichere Finanzierung für die Arbeit der Frauenhäuser ist, betont auch Diane Jägers, Leiterin der Gleichstellungsabteilung im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung (MHKBG). Eine Erhöhung der Landesförderung ist demnach vorgesehen, sowie die Erhöhung der Plätze in Frauenhäusern in NRW um 50. Das bringt jedoch bei landesweit 62 Einrichtungen nicht mal einen Platz pro Haus. Dass hier noch einiges an Arbeit wartet, sieht auch Elke Schmidt-Sawatzki. Die Landesvorsitzende des Paritätischen verweist auf die Istanbul-Konvention des Europarates. Schmidt-Sawatzki: „Pro 10.000 Einwohner empfiehlt die Kommission einen Familienplatz – in NRW erreichen wir derzeit gerade ein Drittel davon.“

Lösungen für die Zeit nach dem Aufenthalt im Frauenhaus finden

In einem Punkt sind sich alle einig: Die Lage am Wohnungsmarkt ist ein großes Problem.

Es braucht schließlich nicht nur für drei Monate einen Platz im Frauenhaus, sondern auch eine Wohnung nach dem Aufenthalt. „Daher macht es Sinn, dass sich das Ministerium auch mit dem Thema Wohnen auseinandersetzt. Kommunale Wohnungsbaugesellschaften sollten Wohnungen vorhalten für betroffene Frauen“, fordert etwa Diane Jägers.

Für die Zukunft und die weitere Entwicklung wünscht sich Christine Schulz, die Leiterin des Unnaer Frauenhauses, zudem einen erheblichen Abbau der bürokratischen Hürden. Von Gewalt bedrohten Frauen müsse unkomplizierter, schneller Schutz geboten werden. Kompliziert werde ein Aufenthalt im Frauenhaus etwa für Betroffene, die nicht nach SGBII leistungsberechtigt sind, also etwa Auszubildende, Studentinnen oder Frauen mit eigenem Einkommen. Letztere müssten den Aufenthalt theoretisch selbst zahlen. Schulz: „Im Notfall muss sofort Hilfe möglich sein, egal, wie die sonstigen Lebensumstände der Frauen aussehen.“

Von Christoph Schmidt


Hellweger Anzeiger


Termine & Aktuelles

PDF als Blätterbuch

Aktuelle Kurse zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, Informations-veranstaltungen und Workshops

Termine und Informationen >>
Bildungsspender

Bundesweites Hilfetelefon für Frauen

365 Tage im Jahr, rund um die Uhr in mehreren Sprachen erreichbar.

Zur Website »