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12.04.2019 Hellweger Anzeiger

Projekt als Brücke vom Frauenhaus in ein eigenständiges Leben

Viele Frauen, die unter häuslicher Gewalt leiden, sind dadurch umso weniger in der Lage, ein selbstständiges Leben zu beginnen.

Frauenhausleiterin Christina Schulz (l.) und Sozialarbeiterin Lara Wegerhoff freuen sich, dass das Projekt „Frauenhaus Plus“ weitergeführt werden kann. 

FOTO: © Raulf

Projekt als Brücke vom Frauenhaus in ein eigenständiges Leben

Nach der Rettung vor Gewalt durch den Partner stehen viele Frauen vor dem nichts. Ein Projekt dient als Brücke in ein neues Leben - mit Erfolg und nun zum Glück auch mit Verlängerung.

Unna. Eine 23-jährige Frau befindet sich gerade auf dem Weg, einen soliden Schulabschluss zu machen. Das Ziel ist eine Ausbildung, letztlich das sichere Leben auf zwei Beinen. Wer die Geschichte der Frau kennt, weiß: Dass sie nun dort steht, wo sie steht, ist ein großer Erfolg. „Sie war fünf Jahre eingesperrt und erlebte schwerste häusliche Gewalt“, sagt Christina Schulz, Leiterin des Frauenhauses in Unna. Die Betroffene stammt aus einem anderen Land und einer anderen Kultur. Der Gewalt durch ihren Mann war sie entkommen, indem sie Zuflucht im Frauenhaus fand. Der Aufenthalt dort ist aber nie auf Dauer angelegt. Doch gerade für viele Frauen mit Migrationshintergrund sei es schwer, aus eigener Kraft in ein eigenständiges Leben aufzubrechen. „Sie haben in der Regel große Familien hinter sich gelassen“, sagt Schulz. Kaum vorstellbar, aber nicht selten: Frauen kehren nach der Rettung durch das Frauenhaus in diese Familien zurück, auch zu der Gewalt, da die bekannten Strukturen ihnen auch Sicherheit böten. Das Frauenhaus ersetze diese Familie sozusagen, sagt Schulz. Aber wie geht es dann weiter? Welches Amt gewährt finanzielle Unterstützung? Wie findet man Arbeit oder eine Ausbildung? Wie gelingt die Suche nach einer Wohnung? All das sind Fragen, auf die die Betroffenen in der Regel keine Antwort finden. Das Projekt „Frauenhaus Plus“ bildet die Brücke in ein neues Leben.

Türen bei Vermietern öffnen

Kern von „Frauenhaus Plus“ ist eine Vollzeitstelle, die von der Sozialarbeiterin Lara Wegerhoff besetzt wird. Seit April 2017 unterstützt sie Frauen, oftmals mit Kindern, beim Auszug aus dem Frauenhaus. Das zunächst auf zwei Jahre befristete Projekt wurde nun vom NRW-Gleichstellungsministerium verlängert bis Ende 2020. So kann Wegerhoff eine Arbeit fortsetzen, die erfolgreich war. Sie begleitete 27 Frauen in die Eigenständigkeit. Es mangelt in der Region an kleinen und günstigen Wohnungen, was die Suche nicht einfach macht. Hinzu kommt: Nicht selten hätten Vermieter Vorbehalte gegenüber Frauen aus schwierigen Verhältnissen, bestätigt Wegerhoff. Da könne sie Türen öffnen. Noch mehr Aufwand sei bei der Nachbetreuung nötig. Sorgerechtsverfahren, Scheidungsprozesse, psychosoziale Betreuung, Erziehungshilfe - solche Prozesse ziehen sich teils über Wochen und Monate hin. Mit dem Einzug in eine neue Wohnung sei meist noch nicht „alles gut“. Und gerade, wenn auch ein Kind dabei ist, sei alles noch etwas schwieriger. „Die Hauptarbeit beginnt nach dem Umzug“, sagt Wegerhoff. Bis zu neun Monate kann sie die Frauen begleiten. Art und Umfang der Arbeit sind sehr unterschiedlich, je nach Fall und aktueller Situation.

HINTERGRUND

Eine Einrichtung des Frauenforums

Das Frauenhaus Unna ist eine Einrichtung des gemeinnützigen Trägers Frauenforum im Kreis Unna e.V. Auch die Frauen- und Mädchenberatungsstelle sowie Wohnhilfen gehören zum Frauenforum. Weitere Informationen – auch Hilfsangebote – gibt es auf der Internetseite 
www.frauenforum-unna.de

Ergänzung der Arbeit im Frauenhaus

Im Moment leben im Frauenhaus neun Frauen mit sieben Kindern, die vor Gewalt geflohen sind. Mit vier von ihnen hat Sozialarbeiterin Wegerhoff bereits die Arbeit mit dem Ziel Selbstständigkeit begonnen. Die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus hätten das vor dem Projekt auch versucht, aber nicht in einem wünschenswerten Rahmen schaffen können, sagt Einrichtungsleiterin Schulz. Auch die wichtige Vernetzung etwa mit Beratungsstellen oder Anbietern von Sprachkursen sei ohne das Projekt kaum möglich gewesen. Ein weiterer Vorteil: Durch die enge Betreuung Wegerhoffs ist es in vielen Fällen möglich, dass die Verweildauer im Frauenhaus verkürzt wird. Die Frauen sollten auch nicht zu lange an das Frauenhaus gebunden werden. Ziel sei die Eigenständigkeit.

 

Von: Thomas Raulf

Hellweger Anzeiger


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